Ehestandsdarlehen

Aus Lexikon Drittes Reich

zur Förderung von Eheschließungen vergebene Kredite nach Abschnitt 5 des 1. Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Ehestandsdarlehen erhielten Frauen, die sich verpflichteten, nach der Heirat keine Tätigkeit als Arbeitnehmerin mehr aufzunehmen, und die als bedürftig und politisch und eugenisch zuverlässig eingestuft wurden. Das unverzinsliche Ehestandsdarlehen wurde in Form von Bedarfsdeckungsscheinen ausgezahlt, die zum Erwerb von Möbeln und Hausrat berechtigten; die Darlehenssumme konnte bis zu 1 000 RM betragen. Sie war mit 1 % monatlich zu tilgen, mit Geburt eines ehelichen Kindes wurde 1/4 des Betrages erlassen. Die Ehestandsdarlehen wurden durch die Ehestandshilfe finanziert, einer Sondersteuer, die von allen ledigen Personen mit eigenem Einkommen erhoben wurde. Bis 1935 insgesamt 523 000 Ehestandsdarlehen für ca. 300 Millionen RM. 1933 nahm über die Hälfte aller Brautpaare das Ehestandsdarlehen in Anspruch, bis 1935 sank die Quote auf 24 %. Im Zeichen des beginnenden Arbeitskräftemangels wurde im Oktober 37 das Beschäftigungsverbot für die Ehefrau als Bedingung für das Ehestandsdarlehen aufgehoben; in der Landwirtschaft war das Verbot schon vorher unterlaufen worden.