Ehrengerichte

    Aus Lexikon Drittes Reich

    bis 1933 nur für die traditionell ständisch organisierten Berufe (z. B. Ärzte, Rechtsanwälte) übliche Einrichtungen. Danach wurden auch andere Berufsgruppen ständisch organisiert und zur Überwachung und Disziplinierung der Mitglieder Ehrengerichte geschaffen. Ihr Ziel war die "Reinigung des Standes durch Ausmerzung unverbesserlicher Glieder". Für die Verfahren galt die Strafprozessordnung entsprechend. Über den Ehrengerichten gab es nur das Reichs-Ehrengericht. Als Strafen waren vorgesehen: Warnung, Verweis, Geldbuße oder Aberkennung der Fähigkeit, den Beruf ausüben zu können. Weil durch Arbeitsdienst, Schutzhaft und Sondergerichte eine schnellere Disziplinierung möglich war, blieb die Anzahl der Ehrengerichtsverfahren gering. So waren nach dem "Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" (RGBl. 1934, I. S. 45) 1936 nur 251, 1939 nur noch 142 Verfahren, meist gegen kleine Geschäftsleute, bei den Ehrengerichten anhängig. Ihre Funktion kann deshalb vorrangig in der Demonstration von sozialem Verantwortungsbewusstsein des Regimes gegenüber der Arbeiterschaft gesehen werden.