Einsatzgruppen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    mobile Einheiten des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdiensts, die bei den militärischen Operationen des Heers vor (Österreich, Sudetenland) und während des Kriegs in eigener Verantwortung sicherheitspolizeiliche Aufgaben durchgeführt haben, ohne der Truppe faktisch zu unterstehen. Am bekanntesten ist der Einsatz der Einsatzgruppen im Russlandfeldzug. Dafür wurden vier Einsatzgruppen mit der Bezeichnung A, B, C und D aufgestellt, die den Heeresgruppen Nord, Mitte, Süd und der 11. Armee zugeteilt waren; den Einsatzgruppen unterstanden jeweils vier bis fünf Sonder-(SK) bzw. Einsatzkommandos (EK) etwa in Kompaniestärke, die sich aus Angehörigen der Sicherheitspolizei (Stapo- und Kriminalbeamte) und des SD zusammensetzten. Später kamen noch Angehörige der Polizei-Reserve-Bataillone 9 bzw. 3 und des Bataillons der Waffen-SS zur besonderen Verwendung hinzu, die zugweise auf die Kommandos verteilt wurden. Die Einheiten wurden durch Hilfswillige und einheimische Miliz verstärkt. Zu den sicherheitspolizeilichen Aufgaben gehörte die Bekämpfung "reichsfeindlicher Elemente", namentlich gemäß "Führerbefehl" die Vernichtung der Juden als Träger des bolschewistischen Systems. Auf Befehl von Heydrich lösten die Einsatzgruppen in den ersten Tagen des Feldzugs durchweg nur Pogrome aus, denen Exekutionen wehrfähiger Männer jüdischen Glaubens aus vorgeschobenen Gründen – wie z. B. Unterstützung von Partisanen, Brandlegung – folgten. Ungefähr seit August 41 wurden alle Juden – auch die Frauen und Kinder – erschossen.


    Die Vernichtungsaktionen liefen im Allgemeinen so ab: Vor der jeweiligen Aktion nahmen die Chefs der Einsatzgruppen oder die Kommandeure der ihnen unterstellten Einsatz- bzw. Sonderkommandos in der Regel mit den für die entsprechenden Ortschaften oder Gebiete zuständigen Wehrmachts-Einheiten bzw. -Dienststellen Verbindung auf und setzten sie von ihrem Vorhaben in Kenntnis. Soweit erforderlich, wurden gleichzeitig Hilfsmaßnahmen wie Absperrung des Exekutionsgeländes und Stellung von Lkw für den Transport der Opfer zur Exekution vereinbart. Mit Hilfe von Dolmetschern, oft auch durch Hinweise der einheimischen Bevölkerung, wurden die Juden ermittelt und zu Sammelplätzen gebracht. Von diesen trieb oder fuhr man sie zu den Exekutionsorten, wo durch Kriegsgefangene bereits Gruben zur Aufnahme der Leichen ausgehoben worden waren, oder die Opfer wurden gezwungen, die Gruben selbst auszuheben. Die Juden mussten sodann ihre Wertgegenstände abgeben und sich entkleiden. Während am Anfang die Exekution auf "militärische Weise" erfolgte, kam man bei zunehmender Zahl der zu Exekutierenden von dieser Art ab. Die Opfer zwang man, sich nebeneinander in die Grube mit dem Gesicht zur Erde oder, wenn eine Reihe voll war, mit dem Kopf zwischen die Füße der bereits Erschossenen zu legen, wobei es vorkam, dass die Grube zugeschüttet wurde, obwohl nicht alle Opfer tot waren. Von der Jahreswende 1941/42 an wurden zur Tötung der Juden "S(pezial)-Wagen" (Gaswagen) eingesetzt, um die Massenvernichtungen zu beschleunigen.

    Das Ausmaß der Vernichtungsaktionen ergibt sich aus den erhalten gebliebenen so genannten Ereignismeldungen, später Meldungen aus den besetzten Ostgebieten, in denen die Berichte der Einsatzgruppen an das Reichssicherheitshauptamt zusammengefasst waren. Hiernach hat z. B. das SK 4 a der Einsatzgruppe C unter dem SS-Standartenführer Blobel am 29. und 30. 9. 41 in der Babi-Yar-Schlucht bei Kiew 33 771 jüdische Männer, Frauen und Kinder und Anfang 42 wenigstens 10 000 Juden in Charkow erschossen. Die Gesamtzahl der Opfer dürfte sich auf mindestens 900 000 Menschen belaufen. Gegen die ehemaligen Angehörigen der Einsatzgruppen wurden nach dem Krieg zahlreiche Verfahren geführt, u. a. der Ohlendorf-Prozess.