Emil Nolde

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Maler und Grafiker

    geboren: 7. August 1867 in Nolde, Schleswig gestorben: 13. April 1956 in Seebüll, Nordfriesland


    (eigentlich Emil Hansen), Möbelzeichner und Holzschnitzer. Nolde bildete sich autodidaktisch zum freien Künstler aus (u. a. in München und Paris, Anlehnung an van Gogh und Munch). 1906 schloss er sich vorübergehend der avantgardistischen Künstlergruppe "Die Brücke" an und entwickelte sich in der Folge zu einem der herausragendsten und eigenwilligsten Vertreter des deutschen Expressionismus. Nolde verstand sich als der "nordischste" deutsche Maler und fand, beschwert von mystischem Denken und antisemitischen Vorurteilen, schon früh zum Nationalsozialismus, von dem er sich eine reinigende, den Materialismus überwindende kulturelle Wirkung versprach. Dennoch wurde seine Kunst, in der nationalsozialistischen Führungsspitze nur von Goebbels geschätzt, schon in den 20er Jahren von Rosenbergs "Kampfbund für deutsche Kultur" erbittert bekämpft. 1933 wurden Noldes "grell-gräßliche Machwerke" als "entartet" verfemt und 1937 aus allen öffentlich Sammlungen entfernt. Eine Zeitlang fand Nolde noch Befürworter u. a. bei der nationalsozialistischen Freizeitorganisation "Kraft durch Freude", die einige Fabrikausstellungen mit Nolde-Gemälden veranstaltete, bis dem Künstler 1941 ein offizielles Malverbot auferlegt wurde (das Siegfried Lenz in seinem Roman "Deutschstunde", 1968, zum Thema machte). Nolde schuf bis Kriegsende in der Einsiedelei seines nordfriesischen Hofs heimlich rund 1 300 Aquarelle, seine so genannten "ungemalten Bilder", die bis heute zu seinen weltweit bewunderten Meisterwerken gehören.