Endlösung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Der Begriff Endlösung der Judenfrage hatte im nationalsozialistischen Sprachgebrauch nicht von Anfang an (erste Belege: Eichmann-Notiz vom 12. 3. 41 und RSHA-Befehl vom 29. 5. 41) die Bedeutung "physische Vernichtung" der Juden. Schon in der antisemitischen Diskussion der Jahrhundertwende war eine "Lösung" der Judenfrage gefordert worden im Sinne einer rechtlichen Sonderstellung (Fremdengesetzgebung) oder allenfalls Ausweisung der Juden. Die nationalsozialistische Radikalisierung zu einer Endlösung wies zunächst nicht wesentlich darüber hinaus, nahm aber in Richtung Aussiedlung (Madagaskarplan, Bildung von Judenreservaten im Osten) konkretere und brutalere Formen an. Wann sich Hitler dann zur Vernichtung der Juden, wie in der Reichstagsrede vom 30. 1. 39 rhetorisch angedroht, entschloss und wann er erste Befehle dazu gab, ist nicht mehr exakt festzustellen. Im Lauf der Vorbereitungen des Russlandfeldzugs aber häufen sich die Anhaltspunkte für die stufenweise Fixierung auf eine Endlösung im tödlichen Sinn bis hin zum schriftlich nicht fixierten allgemeinen Vernichtungsbefehl.

    Zu den ersten umfangreichen, gegen das Leben der Juden gerichteten Aktionen kam es mit Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion (22. 6. 41). SD-Chef Heydrich gab den ihm unterstellten Einsatzgruppen den Befehl, in den neu zu besetzenden Gebieten Pogrome spurlos auszulösen, zu intensivieren und in die "richtigen" Bahnen zu lenken. Er ordnete ferner an, Juden in Partei- und Staatsstellungen zu exekutieren. Insbesondere in den von der Wehrmacht besetzten Baltischen Staaten und in der Ukraine kam es zu zahlreichen Pogromen, die zum Tod einer Vielzahl von Juden führten. Darüber hinaus wurden aus "Sicherheitsgründen" oder aus "Vergeltung" für den Juden angelastete Vorfälle vorwiegend jüdische Männer massenweise erschossen. Ungefähr von August 41 an bezog man alle Juden in die Vernichtungsmaßnahmen der Endlösung ein, "um keine Rächer entstehen zu lassen", wie Einsatzgruppenführer ihren Untergebenen erklärten. Neben den Einsatzgruppen führten Polizeieinheiten Vernichtungsaktionen durch. Im Allgemeinen handelten sie auf Befehl der Höheren SS- und Polizeiführer. Unterstützung fanden Einsatzgruppen und Polizeiverbände verschiedentlich durch Wehrmachtseinheiten oder -dienststellen, die v. a. Lastwagen zum Abtransport der Juden zu den Exekutionsstätten zur Verfügung stellten.

    Das Ausmaß der Vernichtungsaktionen ergibt sich aus den Ereignismeldungen und einzelnen, erhalten gebliebenen Berichten der den Einsatzgruppen unterstehenden Einsatz-(EK) bzw. Sonderkommandos (SK). So erschoss z. B. das EK 3 der Einsatzgruppe A nach einem Bericht vom 1. 12. 41 im "befreiten" Litauen und teilweise im Raum Minsk von Anfang Juli bis zum Berichtstag 133 346 Juden. Weitere 4 000 wurden vor Übernahme der "sicherheitspolizeilichen" Aufgaben durch das EK 3 im Lauf von Pogromen der einheimischen Miliz getötet. Der Berichterstatter, SS-Standartenführer Jäger, stellte abschließend fest, "dass das Ziel, das Judenproblem für Litauen zu lösen, ... erreicht worden ist. In Litauen gibt es jetzt keine Juden mehr, außer den Arbeitsjuden ... Diese ... wollte ich ebenfalls umlegen, was mir jedoch scharfe Kampfansage der Zivilverwaltung und der Wehrmacht eintrug". Die größten Einzelaktionen führte das SK 4 a der Einsatzgruppe C unter SS-Standartenführer Blobel durch (u. a. Babi-Yar). Im Spätherbst 41 stellte das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) den Einsatzgruppen Gaswagen zur Tötung von Juden und anderen "potentiellen Gegnern" zur Verfügung. Diese mobilen Gaskammern wurden im Allgemeinen bei der Durchführung "kleinerer" Vernichtungsaktionen eingesetzt, namentlich bei der "Räumung" kleiner Gettos und von Gefängnissen.

    Als die Vernichtungsaktionen der Einsatzgruppen bereits liefen, beauftragte Göring Heydrich am 31. 7. 41, einen Entwurf "zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen" und alle Vorbereitungen dafür im deutschen Einflussbereich in Europa zu treffen. Nach Fertigstellung des Plans lud Heydrich Vertreter von an der Mitwirkung notwendigen Ministerien und Behörden zum 20. 1. 42 nach Berlin (Wannseekonferenz) ein, um dessen Durchführung sicherzustellen. Inhalt des Plans war im Wesentlichen, die Juden im Osten zum Arbeitseinsatz zu bringen und sie durch Ausbeutung der Arbeitskraft zu dezimieren. Der "verbleibende Restbestand" sollte "entsprechend behandelt werden". Vorgesehen war, sie zunächst in "Durchgangsgettos" zu transportieren und von dort weiter in den Osten abzuschieben.

    Mit der Deportation der deutschen Juden hatte man bereits im Oktober 41 begonnen. Sie waren hauptsächlich in die Gettos Riga, Minsk und Lodz (Litzmannstadt) verbracht worden, die bei Beginn der Aussiedlung der Juden aus dem Reich teilweise "geräumt" worden waren, d. h. die einheimischen Gettobewohner waren von Angehörigen der Einsatzgruppen – nicht selten unter Mithilfe örtlicher Milizeinheiten – liquidiert worden. Sofern am Bestimmungsort eine Unterbringungsmöglichkeit noch nicht gegeben war, wurden die ausgesiedelten deutschen Juden sofort erschossen. Manchmal kam es auch nach der Ankunft zur Aussonderung der arbeitsunfähigen Juden, die unmittelbar nach der Selektion ermordet wurden. Von dem 19. Berliner Osttransport nach Riga mit etwa 1 500 Männern, Frauen und Kindern wurden beispielsweise nur 60 arbeitsfähige Männer von der sofortigen Vernichtung ausgenommen. Trotz der angespannten Kriegslage und des dringend benötigten Transportraums rollten laufend Transporte aus dem Reich und dem Protektorat Böhmen und Mähren in die besetzten Ostgebiete. Allein von Berlin fuhren vom 18. 10. 41 bis Ende Oktober 42 mindestens 22 Transportzüge mit wenigstens 13 000 Juden nach Lodz, Minsk, Kowno, Riga, Trawniki und Reval (Deutsche Reichsbahn).

    Im Zuge der Vorbereitungen zur Endlösung wählte man geeignete Stätten zur Vernichtung der Juden aus; Himmler selbst entschied sich für das KZ Auschwitz. Er beauftragte (vermutlich) im August 41 den (ersten) Kommandanten, SS-Obersturmbannführer Höß, Voraussetzungen für Massentötungen zu schaffen. Nach Besprechung mit dem Leiter des Referats IV B 4 (später IV A 4) "Judenangelegenheiten" im RSHA, SS-Obersturmbannführer Eichmann, kam man zu dem Entschluss, als Tötungsmittel Gas zu verwenden. Höß ließ ein im Bereich des späteren Lagers Auschwitz II (Birkenau) liegendes Bauernhaus für Vergasungen umbauen und begann mit Probevergasungen in den Arrestzellen des Blocks 11 und in der "Leichenhalle" des (alten) Lagerkrematoriums. Inzwischen waren in einem anderen Lager die Vorbereitungen für Massenvergasungen abgeschlossen: Von Dezember 41 an ermordete in Kulmhof ein SK unter dem SS-Hauptsturmführer Lange und seinem Nachfolger SS-Haupsturmführer Bothmann Juden, die überwiegend aus dem Warthegau und dem Getto Lodz dorthin transportiert worden waren. Die Tötung (bis März 43 insgesamt 145 500 und 1944 noch einmal vermutlich mindestens 25 000 Juden) erfolgte nach einer Methode, die man beim Euthanasie-Programm angewandt hatte: Vergasung mittels Kohlenmonoxyd, allerdings nicht in Gaskammern, sondern in Gaswagen. In Auschwitz wurde das Blausäurepräparat Zyklon B verwendet, das nach Ansicht von Höß den Tod schneller herbeiführte und auch sicherer schien.

    Etwa Ende 41 war die Vergasungsanstalt in Auschwitz-Birkenau (der so genannte Bunker 1) fertig gestellt. Seit Anfang 42 trafen laufend größere Transportzüge mit Juden ein, zunächst aus Ostoberschlesien, den angrenzenden Teilen des Generalgouvernements (GG), dem Reich und dem Protektorat Böhmen und Mähren, später aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten und den unter deutschen Einfluss stehenden europäischen Ländern von Frankreich bis Rumänien. Bei der Ankunft in Auschwitz wurden die Juden selektiert: Die Arbeitsfähigen – um zehn bis 15 % eines Transportes – kamen zum Arbeitseinsatz in SS-eigene Produktionsstätten und andere im Allgemeinen in der Nähe des KZ befindliche Betriebe; die Arbeitsunfähigen wurden vergast. Verschiedentlich wurden auch ganze Transporte sofort getötet, ohne dass vorher eine Selektion stattfand. Infolge der zunehmenden Zahl von Deportationszügen wurden zusätzliche Gaskammern gebaut. In Birkenau (Auschwitz II) bestanden schließlich fünf Vergasungsanlagen. Bei einem Aufstand sprengten Häftlinge am 7. 10. 44 eine Anlage; die noch bestehenden Anlagen wurden von Ende November 44 an mit einer Ausnahme von der SS demontiert, die letzte im Januar 45 kurz vor Aufgabe des Lagers zerstört. Die Anzahl der in Auschwitz getöteten Juden kann nicht annähernd festgestellt werden, da sichere Erkenntnisse fehlen. Fest steht jedoch, dass allein von Mai bis Oktober 44, als in großem Umfang ungarische Juden nach Auschwitz deportiert wurden, mehr als 500 000 jüdische Menschen umkamen.

    Da von vornherein abzusehen war, dass für die Vernichtung der europäischen Juden Kulmhof und Auschwitz nicht ausreichen würden, wurden für die Sonderbehandlung der weit über zwei Millionen im Generalgouvernement lebenden Juden drei weitere Lager errichtet: Belzec (südöstliche Grenze Distrikt Lublin), Sobibór (östliche Grenze Distrikt Lublin) und Treblinka (nordöstlich von Warschau). Die "Umsiedlung" der Juden in diese Lager lief unter dem Decknamen Aktion Reinhard (nach dem Ende Mai 42 einem Attentat zum Opfer gefallenen Reinhard Heydrich). Sie wurde vom SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin, SS-Brigadeführer Globocnik, geleitet. Die Tötung der Menschen erfolgte in allen Lagern überwiegend durch Abgase aus Kfz- bzw. Panzermotoren.

    Anfang März 42 war Belzec einsatzbereit. Am 17. 3. 42 begann man mit dem Abtransport der Juden aus Lublin. In Sobibór trafen die ersten Transporte im Mai 42 ein. Treblinka wurde als letztes Lager in Betrieb genommen (23. 7. 42). Die Lager waren als reine Vernichtungsstätten geplant. Nach der Ankunft wurden die Juden sofort in die Gaskammern getrieben und dort getötet. Selektionen kamen nur vor, wenn für bestimmte Verrichtungen Handwerker benötigt wurden oder z. B. die "Aufräumungs- bzw. Leichenkommandos" ausgewechselt, d. h. ermordete Helfer ersetzt werden mussten.

    Die "Umsiedlung" der Juden aus den einzelnen Distrikten des Generalgouvernements in die Vernichtungslager stieß kriegsbedingt auf Transportschwierigkeiten. Im Sommer 42 kam es zu Zeiten der Stagnation, die die SS nutzte, um die Aufnahmekapazität der Gaskammern zu erweitern. Nach dem Umbau konnten die Gaskammern in Belzec 1 500 (vorher bis 150), Treblinka 4 000 (vorher 600) und Sobibór 1 200 bis 1 300 (vorher bis 200) Menschen fassen. Seit Anfang August 42 lief die Vernichtungsmaschinerie wieder auf Hochtouren. Allen Lagern wurden im Übrigen verschiedentliche Transporte aus dem Reich und anderen Ländern zugeführt.

    Ende 42 war der größte Teil der jüdische Bevölkerung des Generalgouvernements ermordet, so dass man beschloss, die Lager aufzulösen. Vorher mussten jedoch die Spuren der Endlösung beseitigt werden (Enterdungsaktion). Die in großen Massengräbern liegenden Opfer (allein in Treblinka mindestens 700 000) wurden durch "Arbeitsjuden" exhumiert und in Tag- und Nachtarbeit verbrannt. In Belzec war diese Tätigkeit bis März 43 abgeschlossen; in Sobibór und Treblinka nahm sie mehr Zeit in Anspruch, weil durch Verzögerungen bei Getto-Auflösungen (z. B. Weigerung von deutschen Firmen, die jüdischen Arbeiter herauszugeben und Warschauer Getto-Aufstand) nebenher die Vergasungsanlagen weiter in Betrieb blieben. Aufstände von Häftlingen in Treblinka (2. 8. 43) und Sobibór (14. 10. 43) beschleunigten schließlich die Auflösung dieser Lager. Sie wurden dem Erdboden gleichgemacht und die "Arbeitsjuden" getötet. Mit Schreiben vom 4. 11. 43 meldete Globocnik Himmler: "Ich habe mit 19. 10. 43 die Aktion Reinhard, die ich im Generalgouvernement geführt habe, abgeschlossen und alle Lager aufgelöst." Nach vorsichtiger Schätzung sind der Aktion mindestens 1,75 Millionen Juden zum Opfer gefallen.

    Von der Aktion "Reinhard" waren die Juden nicht erfasst worden, die in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten. Sie lebten nach der Liquidierung der Gettos – mit Ausnahme von Lodz – in Arbeitslagern der SS-eigenen oder privaten Betriebe. Gegen Ende der Aktion "Reinhard" stellte sich heraus, dass im Distrikt Lublin mehr Juden von der Vernichtung zurückgestellt worden waren, als zum Arbeitseinsatz benötigt wurden. Zur Beschleunigung der Durchführung der Endlösung und aus Gründen der "Sicherheit" ("Erntefest") beschloss man, diese Juden zu "dezimieren". Anfang November 43 wurden Juden aus Lublin und den Lagern der Umgebung in das (zeitweise) als Vernichtungslager verwendete KZ Maidanek verbracht und mit den noch dort befindlichen Juden erschossen. Die Anzahl der Opfer belief sich auf mindestens 17 000. Erschießungen in großem Umfang wurden ferner in den Lagern Poniatowo und Trawniki durchgeführt.

    Als die Rote Armee in Polen eindrang, gab der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement, SS-Oberführer Schöngarth, am 20. 7. 44 den Befehl, die Lager zu räumen. Für die Juden bedeutete das im Allgemeinen "Auschwitz", sofern sie nicht bereits vorher in ein Lager des Reichsgebietes verbracht worden waren. Die Auflösung des Gettos Lodz erfolgte Ende August/Anfang September 44. Am 21. 8. befanden sich dort noch mindestens 62 000 Juden. Kurze Zeit später waren nahezu alle auf dem Weg nach Auschwitz, in Lager im Reich oder nach Kulmhof, wo für einige Monate noch einmal die Vernichtungsmaschinerie in Gang gesetzt worden war.

    In den besetzten Teilen der UdSSR und im Baltikum lebten trotz der anfänglichen "Säuberungsaktionen" der Einsatzgruppen noch zahlreiche Juden. Viele vor den Mordkommandos der SS geflüchtete Juden waren nach den Massakern in die Städte und Dörfer in dem Glauben zurückgekehrt, dass die Verfolgungsmaßnahmen vorbei seien. Im Übrigen hatten die Einsatzgruppen nicht überall "Bereinigungsaktionen" durchführen können. Durch den schnellen Vormarsch der Truppe hatten sie dauernd ihren Standort gewechselt, um den Heeresverbänden zu folgen. Nach Einführung der Zivilverwaltung in den besetzten Ostgebieten wurde die Gettoisierung betrieben. Schon im August 41 bestanden Gettos in Libau, Dünaburg, Wilna, Kowno und Minsk. Bald darauf liefen erneut Tötungsaktionen an, die häufig mit Hilfe der den Höheren SS- und Polizeiführern unterstellten Polizeiverbände und gebietsweise der einheimischen Miliz durchgeführt wurden. Im Oktober 42 befahl Himmler persönlich die Liquidierung des letzten großen Gettos im Reichskommissariat Ukraine (Pinsk). Ende 1942 war die Ukraine im Wesentlichen "judenfrei".

    Im Reichskommissariat Ostland konnten die Gettoisierungen nicht so schnell durchgeführt werden. Zwar fanden bereits im Herbst 41 Massenerschießungen von Gettobewohnern statt; die Gettos wurden jedoch immer wieder mit Juden aus dem Reich und anderen Ländern aufgefüllt. Hinzu kam, dass sich in einigen Gebieten die deutsche Zivilverwaltung und die Wehrmacht – im Allgemeinen aus wirtschaftlichen Gründen – den Vernichtungsmaßnahmen entgegenstellten. Ende Oktober 42 begann man schließlich, nach umfangreichen Selektionen die Gettos in Lager umzuwandeln oder die als arbeitsfähig Selektierten in bereits bestehende Lager zu überführen. Als die Rote Armee näher rückte, schob die SS einen Teil der Überlebenden in Lager des Reichsgebiets und nach Auschwitz ab; die Restlichen wurden an Ort und Stelle erschossen. Wie bei der Auflösung der Vernichtungslager war man vor Aufgabe der Gebiete noch bemüht, die Massengräber zu beseitigen.

    Die genaue Anzahl der im Rahmen der Endlösung ums Leben gekommenen Juden lässt sich nicht feststellen. Aus erhalten gebliebenen Berichten über die Tötungsaktionen der Einsatzgruppen und anderer Einheiten, Transportlisten in die Vernichtungslager, Statistiken über die bei Beginn der Aktionen in den Gebieten lebenden Juden in Verbindung mit Rückmeldungen nach dem Kriege u. a. ist davon auszugehen, dass rund fünf Millionen Juden ermordet worden oder infolge der Lebensverhältnisse in den Lagern verstorben sind. Wie viele von ihnen hätten gerettet werden können, wenn die Alliierten zu systematischen Bombardierungen der Zufahrtswege, insbesondere nach Auschwitz, übergegangen wären, ist neuerdings – zuweilen aus untauglichen Gründen der Zuweisung von Mitschuld – viel erörtert worden. Eine Antwort ist nicht möglich. Die Alliierten handelten nach Roosevelts Devise, dass allen Verfolgten am besten geholfen würde durch Konzentration aller Mittel auf eine Beschleunigung des Siegs über Hitler.