Engelbert Dollfuß

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer Politiker

    geboren: 4. Oktober 1892 in Texing, Niederösterreich gestorben: 25. Juli 1934 in Wien


    Reserveoffizier im Ersten Weltkrieg; Jurist und Nationalökonom; 1927 Direktor der österreichischen Landwirtschaftskammer, 1931 Landwirtschaftsminister. Der ehrgeizige, kleine Dollfuß (Spitzname "Millimetternich") wurde am 20. 5. 32 mit hauchdünner Parlamentsmehrheit Kanzler einer Koalition aus Christlich-Sozialen, Heimatblock und Landbund. Die wirtschaftliche Sanierung des Landes leitete er mit der Lausanner Anleihe vom 30. 8. 32 ein, für die er erneut auf einen Anschluss an das Deutsche Reich verzichtete. Gegen die großdeutsche Anschlussbewegung wandte sich auch sein autoritärer Kurs (4. 3. 33 Aufhebung des Nationalrats), die Anlehnung an das faschistische Italien (20. 8. 33 Vertrag von Riccione) und das austrofaschistische Programm der von ihm gegründeten Vaterländischen Front (11. 9. 33). Sie nahm nach Verbot der KP (Mai 33) und der Nationalsozialisten (Juni 33), nach blutiger Zerschlagung der Sozialdemokratie im so genannten Februarputsch 34 und Verkündung des "Christlich-deutschen Bundesstaates Österreich auf ständischer Grundlage" in der Maiverfassung (1. 5. 34) den Platz der Parteien ein und wurde einzige legale Trägerin der politischen Willensbildung. Der Rundschlag aber vor allem gegen die Organisationen der Arbeiterschaft beraubte Dollfuß potentieller Mitstreiter gegen die Nationalsozialisten, deren Terror auch die Wiedereinführung der Todesstrafe und die Errichtung von Anhaltelagern nicht brechen konnten und dem Dollfuß selbst schließlich erlag: Er wurde bei der Besetzung des Bundeskanzleramts durch nationalsozialistische Putschisten ermordet.