Erbpflege

    Aus Lexikon Drittes Reich

    auf Anregung von Eugen Fischer 1934 im nationalsozialistischen Sprachgebrauch anstelle von Eugenik verwendete Bezeichnung für die Gesamtheit der Maßnahmen zur Hebung der Erbgesundheit eines Volkes. Da wegen der weitgehend ausgeschalteten natürlichen Auslese beim Menschen die Gefahr der Ansammlung ungünstiger Erbeigenschaften bestehe, müssten Erbpflege und Rassenhygiene für einen Ausgleich sorgen. Die nationalsozialistische Bevölkerungspolitik griff dazu vornehmlich auf negative Mittel ("Ausmerze") zurück mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. 7. 33 und dem Ehegesundheitsgesetz vom 18. 10. 35. Damit sollte die Fortpflanzung "erbuntüchtiger" Individuen unterbunden werden. Durch sozialpolitische Maßnahmen wie Ehestandsdarlehen, steuerliche Begünstigung u. a. sollte auf der anderen Seite der Anteil "gesunder, kinderfroher" Familien gesteigert werden. Nach nationalsozialistischen Vorstellungen gehörte auch die Förderung der "Rassereinheit" zur Erbpflege, der daher auch das Blutschutzgesetz der Nürnberger Gesetze vom 15. 9. 35 dienen sollte. Radikalste Konsequenzen des nationalsozialistischen Erbpflege-Konzepts waren Euthanasie und Endlösung.