Erfüllungspolitik

    Aus Lexikon Drittes Reich

    außenpolitische Strategie zum Nachweis der Unerfüllbarkeit des Versailler Vertrags, insbesondere der darin aufgestellten Reparationsforderungen. Eine konsequente Erfüllungspolitik befürworteten seit 1921 Reichskanzler Wirth und sein Außenminister Rathenau, die wegen der harten französischen Haltung aber außer einer dramatischen Zuspitzung der wirtschaftlichen (Inflation) und politischen (Ruhrkampf) Lage keine Erfolge erzielten. Als auch der passive Widerstand unter Cuno scheiterte, setzte Stresemann auf eine zur Verständigungspolitik gewandelte Erfüllungspolitik mit alliierten Gegenleistungen (u. a. Dawesplan, Locarnopakt, Youngplan). Ihre Fortsetzung durch Brüning in der Weltwirtschaftskrise zusätzlich mit einem harten Sparkurs führte an den Rand des wirtschaftlichen Kollapses und damit zur politischen Radikalisierung, so dass der Erfolg durch Beendigung der Reparationen 1932 zu spät kam. Dazu hatte auch die von Anfang an massive Polemik der nationalen Rechten gegen die Erfüllungspolitik beigetragen, die insbesondere von den Nationalsozialisten als "selbstmörderisch" und "würdelos" gebrandmarkt wurde. Obwohl im Grunde ohne Alternative, wurde sie so durch außen- wie innenpolitische Widerstände mitentscheidend für die Schwäche und letztlich den Untergang der Republik.