Ernst Freiherr von Weizsäcker

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Diplomat

    geboren: 12. Mai 1882 in Stuttgart gestorben: 4. August 1951 in Lindau


    1933-36 Geschäftsträger in der Schweiz, 1936 Leiter der Politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, 1938 Staatssekretär unter Ribbentrop. Als Nationalkonservativer stand Weizsäcker einerseits der nationalsozialistischen Politik distanziert gegenüber, als pflichtbewusster Beamter sorgte er andererseits für deren Durchsetzung. Weizsäcker unterhielt Kontakte zum Widerstand und ließ 1938 dem britischen Außenminister Halifax eine Warnung vor dem bevorstehenden Angriff auf die Tschechoslowakei und den geplanten Kriegsbeginn zukommen, in der Hoffnung, Schlimmeres zu verhüten. Dennoch zeichnete er später offensichtliche "Unrechtsbefehle" ab und nahm den Ehrenrang eines SS-Führers wohl nicht nur aus "dekorativen Gründen" (Weizsäcker) an. 1947 wurde Weizsäcker, der in den letzten beiden Kriegsjahren als Botschafter beim Vatikan diente, von den Alliierten verhaftet und als Hauptangeklagter im Wilhelmstraßenprozess zu sieben Jahren Haft verurteilt, 1950 vorzeitig begnadigt. In seinen Memoiren ("Erinnerungen", 1950) versuchte er, sein Verhalten im Dritten Reich zu rechtfertigen.