Ernst Hanfstaengl

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Publizist und Politiker

    geboren: 11. Februar 1887 München gestorben: 6. November 1975 ebd.


    Studium u. a. in Harvard, Rückkehr nach Deutschland 1921; als "glühender Nationalist" im gleichen Jahr NSDAP-Beitritt. Der Exzentriker und Weltmann Hanfstaengl, der sich in der Malerei und Literatur versuchte, für SA-Kapellen Märsche schrieb, gehörte schnell zum engsten Freundeskreis um Hitler, der den kurzweiligen, zu Clownerien neigenden, geselligen Hanfstaengl (von seinen Freunden "Putzi" genannt) gern als Unterhalter um sich sah. Zudem nutzte Hitler Hanfstaengls Kontakte zum Großbürgertum und bekam durch ihn zuweilen hohe Beträge für die NSDAP. Aufgrund seiner guten Kontakte zu ausländischen Journalisten wirkte Hanfstaengl über etliche Jahre propagandistisch als Auslandspressechef der NSDAP, verklärte 1934 vor Auslandskorrespondenten die Machtübernahme zur völkischen Revolution, nach der der "deutsche Mensch" in eine "Blutkur" genommen werden müsste, damit aus der "übernationalen" Kultur eine "intranationale" auf völkischer Grundlage würde. Hanfstaengls enge Beziehung zu Hitler führte schließlich zu Neid-Intrigen, die Hanfstaengl um sein Leben fürchten ließen. 1937 floh er nach England und wirkte später in den USA als Berater bei der psychologischen Kriegführung gegen das Dritte Reich. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er sich als "politischer Außenseiter" fühlte und in seinen Memoiren ausführlich seine Beziehungen zu Hitler beschrieb ("Zwischen Weißem und Braunem Haus", 1970).