Ernst Niekisch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 23. Mai 1889 in Trebnitz, Schlesien gestorben: 23. Mai 1967 in Berlin


    Volksschullehrer, 1917 SPD-Beitritt, 1918/19 Vorsitzender des Zentralen Arbeiter- und Soldatenrats in München, 1919 zur USPD und 1922-26 Sekretär des Deutschen Textilarbeiterverbands in Berlin. 1926 wurde Niekisch Mitglied der Alten Sozialistischen Partei, einer linken Splittergruppe, und gab die Zeitschrift "Der Widerstand" heraus. In ihr kritisierte er hart den prowestlichen Kurs Stresemanns und warb in Absetzung zur Weimarer Republik für die Ziele des Nationalbolschewismus. In seinem klarsichtigen Buch "Hitler, ein deutsches Verhängnis" (1931) erkannte er früh die Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging. Nach der Machtergreifung versuchte Niekisch in verschiedenen Städten Widerstandsgruppen aufzubauen. 1937 wurde seine Zeitschrift verboten und er selbst in Haft genommen. Vor dem Volksgerichtshof wurde Niekisch 1939 wegen "literarischen Hochverrats" zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Nach Kriegsende war er Mitglied der KPD, dann der SED und der Volkskammer der DDR und lehrte an der Ost-Berliner Humboldt-Universität. Wegen der Niederschlagung des Volksaufstands vom 17. Juni 53, die Niekisch scharf kritisierte, geriet er in Gegensatz zur Partei und siedelte nach West-Berlin über. Seine Analyse des Dritten Reichs in der Schrift "Das Reich der niederen Dämonen" (1958) wurde ein Standardwerk.