Ernst Röhm

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher SA-Führer

    geboren: 28. November 1887 in München gestorben: 1. Juli 1934 in München


    Röhm gehörte zur "verlorenen Generation" jener Kriegsteilnehmer, die nach Ende der Kampfhandlungen 1918, unfähig sich im zivilen Leben zurechtzufinden und voller Verachtung für die Republik, über nationale Wehrverbände zur NSDAP stießen. Aus einer bayerischen Beamtenfamilie stammend, hatte Röhm während des Ersten Weltkriegs Hauptmannsrang erreicht, beteiligte sich danach im Freikorps Epp an der Beseitigung der Münchener Räteregierung (2. 5. 19) und half bei Aufbau und Bewaffnung von Einwohnerwehren. 1919 lernte er Hitler kennen und trat der Deutschen Arbeiterpartei bei. Seinen Dienst in der Reichswehr quittierte er am 26. 9. 23. Wegen Beteiligung am Hitlerputsch wurde er zu 15 Monaten Festungshaft auf Bewährung verurteilt. Nach Hitlers Haftentlassung Ende 24 kam es zu Differenzen: Röhm hatte nur Verachtung für die legalistische Taktik, die der Parteiführer nun einschlug. Trotz Duzfreundschaft wuchs die Entfremdung, so dass sich Röhm im April 25 aus dem politischen Leben zurückzog. Nach farblosen Zwischenjahren, "das Leben eines kranken Tieres führend" (Röhm), ging er 1929 als Militärberater nach Bolivien.


    Im Herbst 30 berief Hitler Röhm von dort zurück und machte ihn zum Stabschef der SA nach dem Rücktritt von Pfeffer. Hitler glaubte, das unveränderte Revolutionskonzept seines obersten SA-Manns nun überspielen zu können, ließ ihm weitgehend freie Hand und duldete auch die landesweit bekannten und bewitzelten homosexuellen Neigungen. Röhms brutal-skrupellose Landsknechtsart machte in der SA rasch Schule und aus Hitlers Privatarmee den Schrecken der Weimarer Spätzeit. Nach der Machtergreifung verlangte Röhm die Zweite Revolution und für seine SA die Anerkennung als Volksarmee. Hitler hielt ihn hin, ernannte ihn im Dezember 33 sogar zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich, entschloss sich dann aber zur gewaltsamen Lösung des Problems: Röhm wurde ihm Rahmen einer groß angelegten Mordaktion (Röhm-Affäre) am 30. 6. 34 verhaftet und am Tag darauf in seiner Zelle erschossen. Angesichts dieses Endes wirkt der Titel seiner 1929 erschienenen Autobiographie fast tragikomisch: "Geschichte eines Hochverräters".