Erwachsenenbildung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    institutionalisierte nachschulische Weiterbildungsangebote. Nach der Gleichschaltung der Volkshochschulen und ihrer kommunalen oder privaten Träger machte die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ihren Einfluss auf die Erwachsenenbildung in doppelter Weise geltend. Sie gründete 1935 innerhalb ihrer NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude das Deutsche Volksbildungswerk (DVW) und nahm von 1933 an über das Amt für Berufserziehung und Betriebsführung auf die wirtschaftsberufliche Erwachsenenbildung Einfluss. Aus dem Deutschen Institut für technische Arbeitsschulung (Dinta) ging das Deutsche Berufserziehungswerk hervor, das "Übungsgemeinschaften" organisierte (im Jahr 1938 mit zwei Millionen Teilnehmern) und durch betriebsgebundene Maßnahmen weitere 1,3 Millionen erfasste. Abzugrenzen ist davon die "Gemeinschaftsschulung" von Unternehmern, Betriebsobleuten und Arbeitern, deren Lehrgänge in den Reichsschulen der DAF stattfanden.


    Die Erwachsenenbildung hatte vor allem Kompensationsfunktionen gegenüber der "weltanschaulichen Ausrichtung und Auslese" und der Wehrerziehung in den nationalsozialistischen Massenorganisationen. Ihre Angebote bezogen sich mehr auf die wirtschaftliche Notlage, Weiterbildungs- und ideologische Orientierungsbedürfnisse als auf die politische Schulung. Während des Kriegs ergaben sich neue Praxisfelder durch die Kombination von Berufsausübung mit berufs- und allgemeinbildendem Fernunterricht oder aus der Weiterbildung für Kriegsversehrte. Das DVW richtete 1943 in München eine Abendoberschule ein. Es unterstützte die sozialen und kulturellen Angebote über so genannte Volksbildungswarte in den Betrieben. Die 300 Volksbildungsstätten bemühten sich auch um die kulturelle Aktivierung der Landbevölkerung. Ihr Programmangebot orientierte sich weitgehend an einem 1939 aufgestellten Musterlehrplan der Reichs- und Gauarbeitsgemeinschaften für Erwachsenenbildung. Anstelle der 1933 angestrebten Konsolidierung der Erwachsenenbildung durch Reichsgesetz trat die Dominanz des durch DAF-Beiträge finanzkräftigen DVW, das 1943 zu einem Führungsamt in der DAF aufgewertet wurde. Als Integrationsfaktor ist die Erwachsenenbildung, wenn ihre Bildungsangebote auch vornehmlich der kollektiven Machtsteigerung dienten, nicht zu unterschätzen.