Expressionismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (wörtlich: Ausdruckskunst), nach 1900 entstehende Strömung der bildenden Kunst und Literatur, die durch die Auflösung fester Formen und die Betonung, Übersteigerung des Gefühls gekennzeichnet ist. Nach 1914 sind es besonders expressionistische Autoren, die durch apokalyptische Kriegsbeschreibungen, pazifistische Gedichte und Theaterstücke ihrer moralischen Empörung Ausdruck verleihen. Die Texte und Bilder des Expressionismus verfremden Wirklichkeit grotesk, karikaturhaft, bilden oft Hässliches ab, vermitteln Unbehagen, beschäftigen sich mit subjektiven Gefühlen und (unter dem Einfluss Freuds) mit dem Triebleben, wählen Außenseiter, Krüppel, Irre, Dirnen als "Helden".

    Durch den bewussten Gegensatz zu kleinbürgerlich-tradierten Kunstvorstellungen verkörperte der Expressionismus für die Nationalsozialisten alles, was von ihnen in der modernen Kunst abgelehnt wurde, galt als "schlimmste Verirrung auf dem Gebiete des künstlerischen Schaffens", "hemmungslose Farbkleckserei" oder "unverständliches Stammeln". In der "Darstellung des Krankhaften, ... Minderwertigen und Hässlichen" sah man ein "bewusstes Kampfmittel" jüdischer wie marxistischer Kreise zur moralischen "Zersetzung". Nach der Machtübernahme wurden expressionistische Kunst und Literatur verboten, Bücher von Becher, Frank, Schickele verbrannt, Bilder von Beckmann und Heckel als "entartet" beschlagnahmt; expressionistische Künstler bekamen zumindest Arbeitsverbot, mussten ins Exil oder kamen im KZ um.

    In seiner politischen Kritik und ästhetischen Bürgerfeindschaft hatte der Expressionismus in seinen Anfängen Gemeinsamkeiten mit der völkischen Kunst, so haben einige der von den Nationalsozialisten geschätzten Autoren (Bronnen, Johst u. a.) in expressionistisch geprägten Frühwerken u. a. völkische Anschauungen in gefühlsmäßig übersteigerter Weise umgesetzt.