Finnland

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Republik in Nordeuropa mit 388 279 km² und rund 3,6 Millionen Einwohnern (1928). Nach der russischen Oktoberrevolution löste sich Finnland von Russland, wurde nach Proklamation des finnischen Landtags vom 21. 6. 19 selbständig und gab sich eine republikanische Verfassung mit starker Stellung des Staatspräsidenten. Nach mehrjährigem grausamen Bürgerkrieg 191820 zwischen einem "weißen" Schutzkorps unter Mannerheim mit zeitweiliger deutscher Unterstützung (von der Goltz) und sowjetischen Truppen mit finnischen "Roten Garden" brachte der Frieden von Dorpat (14. 10. 20) die Anerkennung durch die Sowjetunion (Korridor zum Eismeer mit Hafen Petsamo an Finnland, dafür Verbleib Ostkareliens bei Russland). Tiefes Misstrauen gegenüber Moskau, Spannungen zu Schweden (Sprachenstreit, Konflikt um die finnischen Ålandinseln), kühle Distanz zu Deutschland und der fehlgeschlagene Versuch zur Bildung einer Entente mit den Baltischen Staaten führten in der Zwischenkriegszeit zur internationalen Isolierung Finnlands mit weitreichenden innenpolitischen Rückwirkungen (Verbot der Kommunistischen Partei u. a.). Der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39, in dessen geheimem Zusatzprotokoll Finnland ausdrücklich der sowjetischen Interessensphäre zugeordnet wurde, weckte in Helsinki schwere Befürchtungen um die eigene Sicherheit und außenpolitische Handlungsfreiheit, die der von Stalin provozierte Winterkrieg als nur zu berechtigt erwies. Ohne Hilfe der Westmächte, Schwedens und Deutschlands musste Finnland am 12. 3. 40 mit Moskau einen verlustreichen Waffenstillstand schließen. Die totale Abschnürung von westlicher Hilfe nach dem Norwegenfeldzug, Schwedens strikte Neutralität, die Sowjetisierung der Baltischen Staaten, zunehmender Druck von Moskau und Wunsch nach Revision des Waffenstillstands einerseits, strategische und wehrwirtschaftliche (Nickel) Interessen Deutschlands andererseits führten Helsinki und Berlin 1940/41 zusammen: 26. 6. 41 Teilnahme am Russlandfeldzug mit dem Anspruch auf autonome Kriegführung, 25. 11. 41 Beitritt zum Antikominternpakt, 6. 12. 41 Kriegszustand mit Großbritannien. Die schweren deutschen Niederlagen 1943/44 und der Zusammenbruch der karelischen Front zwangen Finnland am 19. 9. 44 zum Waffenstillstand mit Moskau, dessen Bedingungen im Friedensvertrag von Paris 1947 bestätigt wurden: 300 Millionen Dollar Kriegsentschädigung, Abtretung des Gebietes um Petsamo, Verpachtung von Porkkala, Mitwirkung an der Vertreibung der deutschen Lappland-Armee, was zu schweren Zerstörungen führte. Der geschickte Neutralitätskurs des Staatspräsidenten Paasikivi (1946-55) mit freundschaftlichen Beziehungen zu Moskau sicherte Finnlands staatliche Unabhängigkeit.