Flossenbürg

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ, errichtet im Mai 38 bei Weiden (Oberpfalz) in der unmittelbaren Nähe eines Steinbruchs an einem Berghang. Belegt mit durchschnittlich 5 000-6 000 Häftlingen, wuchs die Zahl in den letzten Kriegsmonaten auf 15 000-18 000 an. Im März 45 kamen etwa 900 weibliche Häftlinge aus dem KZ Groß-Rosen ins Lager, die aber noch im selben Monat ins KZ Bergen-Belsen transportiert wurden. Im Lauf der Zeit wurden immer mehr Außenkommandos bzw. Nebenlager des Hauptlagers Flossenbürg eingerichtet, so dass deren Zahl schließlich auf über 90 anwuchs. Die Häftlinge dieser Nebenlager arbeiteten v. a. für die Rüstungsproduktion, die Flugzeugindustrie und die Mineralölgewinnung.

    Die Häftlinge in Flossenbürg gehörten verschiedenen europäischen Nationen an. Der größte Teil kam aus den Ostgebieten (Polen, Russen u. a.). In den Anfangsjahren wurden deutsche politische (Schutzhäftlinge), später auch kriminelle (Vorbeugungshäftlinge) Gefangene eingeliefert. Die Häftlinge arbeiteten in dem 200 m vom Lager entfernten Steinbruch und bei verschiedenen Bauvorhaben. Kranke und arbeitsunfähige Häftlinge wurden vom Lagerarzt ausgesondert und durch Phenolinjektionen u. Ä. oder auch im Rahmen der Aktion 14f13 (Invaliden-Aktion) getötet. Die Unterbringungsverhältnisse waren schlecht: Drei bis vier Häftlinge schliefen unzulänglich zugedeckt (eine Decke) in einem Bett. Verpflegung, Hygiene, Bekleidung und ärztliche Versorgung waren ebenfalls völlig unzureichend. Häftlingsmisshandlungen mit tödlichem Ausgang waren nicht selten: Insbesondere mussten Häftlinge mit schweren Steinen beladen in einem im unteren Teil des Steinbruchs gelegenen "Sumpfloch", dessen Sohle mit knietiefem Schlamm bedeckt war, stundenlang "strafexerzieren". Abgesehen von Exekutionen (u. a. Bonhoeffer, Canaris) waren Erschöpfung und Krankheit der Häftlinge die Ursachen der sehr hohen Sterblichkeitsziffer.


    Am 20. 4. 45 wurde Flossenbürg evakuiert; die Häftlinge wurden in achttägigen Fußmärschen nach Dachau gebracht. Wer das Marschtempo nicht durchhalten konnte, wurde am Straßenrand erschossen. Amerikanische Truppen befreiten am 23. 4. 45 die im Lager zurückgebliebenen Gefangenen.


    Lagerkommandanten in Flossenbürg waren: Weiseborn, Jakob (1939 Selbstmord nach Aufdeckung von Unterschlagungen); Zill, Egon (1955 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, später auf 15 Jahre herabgesetzt, 1974 gestorben); Koegel, Max (Selbstmord 1946); Künster, Karl (1945 bei Nürnberg gefallen).