Franz Schlegelberger

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Jurist

    geboren: 23. Oktober 1876 Königsberg/Preußen gestorben: 14. Dezember 1970 Flensburg


    Studium in Königsberg und Berlin, 1914 Kammergerichtsrat, 1918 Vortragender Rat im Reichsjustizamt, 1927 Ministerialdirektor. Von 1931-42 war Schlegelberger Staatssekretär im Reichsjustizministerium, ab 1922 zugleich Professor an der Universität Berlin. Nach dem Tod von Gürtner wurde Schlegelberger bis zur Ernennung von Thierack mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Justizministers beauftragt (29. 1. 41-20. 8. 42). Danach ging er - mit 100 000 RM Dotation - in den Ruhestand. Schlegelberger war erst am 30. 1. 38 der NSDAP beigetreten und galt bei Übernahme des Ministeramts in der Richterschaft als guter Jurist und Verfechter richterlicher Unabhängigkeit. Diesem Ruf wurde er als geschäftsführender Minister aber nicht gerecht. Da Hitler ihm mit Misstrauen und Verachtung begegnete, verhielt sich Schlegelberger besonders unterwürfig. Er veranlasste maßlose Verschärfungen des Strafrechts und den systematischen Abbau strafprozessualer Garantien. Er versuchte die Rechtsprechung durch so genannte Vor- und Nachschau gerichtlicher Urteile unmittelbar zu steuern und drängte im Bereich des Kriegsstrafrechts auf härteste Durchführung. Im Nürnberger Juristenprozess wurde Schlegelberger zu lebenslanger Haft verurteilt, 1951 aber wegen Krankheit entlassen. Schlegelberger ist Verfasser u. a. des 1985 in 16. Auflage erschienenen Loseblattwerks "Das Recht der Gegenwart".