Franz von Papen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker und Diplomat

    geboren: 29. Oktober 1879 in Werl, Westfalen gestorben: 2. Mai 1969 in Obersasbach, Baden


    zunächst Offizierslaufbahn, im Ersten Weltkrieg Militärattaché in Mexiko und den USA, später bei den deutschen Streitkräften in der Türkei und Stabschef der 4. türkischen Armee in Palästina; 1920-32 für die Zentrumspartei im preußischen Landtag. Auf dem äußersten rechten Flügel angesiedelt, Monarchist und Mitglied im exklusiven Herrenklub mit guten Beziehungen zur Industrie (durch Heirat mit einer Erbin der saarländischen Porzellanfirma Villeroy & Boch), geriet Papen bei der Präsidentenwahl 1925 in Gegensatz zu seiner Partei, als er Hindenburg statt des Zentrumskandidaten Marx unterstützte. 1932 war der Bruch vollständig: Reichspräsident Hindenburg hatte den Zentrumsmann Brüning entlassen und Papen am 1. 6. 32 zum neuen Reichskanzler ernannt.

    Papens "Kabinett der nationalen Konzentration", wegen der vielen adligen Mitglieder auch als "Kabinett der Barone" verspottet, schlug, allein gestützt auf Notverordnungen des Reichspräsidenten, einen autoritären Kurs ein (u. a. Aufhebung des Verbots von SA und SS, Preußenschlag gegen die sozialdemokratische Minderheitsregierung Braun), der in der Auflösung des Reichstags nach Abstimmungsniederlage am 12. 9. 32 gipfelte. Da Neuwahlen im November 32 keine Mehrheit für ihn brachten und Hindenburg diktatorische Vollmachten versagte, trat Papen am 17. 11. 32 zurück und beteiligte sich fortan am Intrigenspiel, das schließlich Hitler zur Macht brachte. Papen verabredete sich mit dem Führer der NSDAP bei einem Treffen im Hause des Bankiers Schröder (4. 1. 33) zum Sturz seines Nachfolgers Schleicher und zu einer gemeinsamen Kabinettsbildung. Seine Rechnung, vom Posten des Vizekanzlers (ab 30. 1. 33) aus den Kanzler Hitler zu "zähmen", ging nicht auf; im Gegenteil bewirkte Papens und der anderen konservativen Mininister Anwesenheit in der Regierung Hitler eine Aufwertung des Nationalsozialismus. Von großem Nutzen für Hitler war auch das von Papen vermittelte Konkordat mit der katholischen Kirche.

    Papens Kampfansage an die radikalen Kräfte in der NSDAP (Marburger Rede 17. 6. 34) beschleunigte Hitlers Abrechnung mit der SA-Führung ( Röhm-Affäre) und brachte den Vizekanzler zeitweilig selbst in Lebensgefahr, mehrere seiner Mitarbeiter, u. a. E. Jung, wurden ermordet. Im Juli 34 ging Papen als Botschafter nach Wien, wo er Juliabkommen und Anschluss vorbereiten half. 1939-44 war er Botschafter in Ankara. 1946 sprach ihn der Nürnberger Militärgerichtshof im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher frei, eine deutsche Spruchkammer dagegen verurteilte ihn 1949 zu acht Jahren Arbeitslager, die allerdings durch vorherige Haft als verbüßt galten. Seine Autobiographie "Der Wahrheit eine Gasse" (1952) zeigte keinerlei Einsicht in die verhängnisvolle Rolle, die er bei der Liquidierung der Weimarer Republik und der Etablierung des nationalsozialistischen Unrechtsstaats gespielt hatte.