Freidenker

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Zeitalter der Aufklärung (17./18. Jahrhundert) entstandene Bezeichnung für Menschen, die auch alle religiösen Fragen dem Primat der Vernunft unterwerfen. Die Freidenkerbewegung entwickelte sich in deistischer und atheistischer Richtung, woraus sich eine bürgerlich antimaterialistische Freidenkerschule (Monisten) bildete, zugleich aber über den dialektischen Materialismus ein sozialrevolutionäres Freidenkertum, an dem sich die nationalsozialistische Kritik entzündete. Selbst zutiefst atheistisch, aber einer taktischen Religiosität verpflichtet, bekämpfte der Nationalsozialismus alle Freidenker als "haltlos" und "internationalistisch", warf den Proletarischen Freidenkern "systematische Verderbung der Jugendmoral" vor und sorgte nach der Machtergreifung für ein pauschales Verbot aller Freidenkerorganisationen, das die NSDAP schon im Mai 32 vergeblich im Reichstag gefordert hatte.