Freimaurerei

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (von englisch freemasonry), internationale Bewegung mit humanitärer Zielsetzung auf der Basis von Toleranz und lebendiger Bruderschaft. Die im Spätmittelalter in England durch Zusammenschlüsse freier Steinmetze zu Bauhütten entstandene Freimaurerei, die sich später in Tempeln, Logen und Großlogen organisierte, erhielt 1738 durch den Beitritt des späteren Friedrich II. von Preußen in Deutschland erheblichen Auftrieb. Im 18. und 19. Jahrhundert schlossen sich viele bedeutende Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik der Freimaurerei an (u. a. Goethe, Blücher, Wilhelm I.). Die Berufung darauf bewahrte die deutschen Freimaurerei aber nicht vor nationalsozialistischer Verfolgung, die schon in der so genannten Kampfzeit begann und insbesondere von Rosenberg betrieben wurde (u. a. "Das Verbrechen der Freimaurerei", 1922).


    Wie die völkischen Kritiker verübelten die Nationalsozialisten der Freimaurerei, die ins Ludendorff-Feindbild der "überstaatlichen Mächte" gehörte, dass sie in ihrer "Humanitätsduselei" im 19. Jahrhundert die Judenemanzipation gefördert und damit "artfremde" Einflüsse ins deutsche Geistesleben gebracht habe. Vom katholischen Kampf gegen die Freimaurerei übernahm man das Schlagwort von der Komplizenschaft von "Juden und Freimaurern", die Logen wurden als "Brutstätten der Talmuderei" bekämpft. Die hermetischen Bräuche der Freimaurerei, der Geheimbundcharakter machten sie besonders geeignet für nationalsozialistische Verschwörungstheorien, ihre relative Schwäche (1933 ca. 76 000 Anhänger) für die Sündenbockstrategien. Die Auswahl der Mitglieder nach sozialer Stellung wurde als "kastenmäßige Absonderung" ausgelegt und damit als unvereinbar mit der angestrebten "Volksgemeinschaft". Das internationale Netz der Freimaurerei galt als Sicherheitsrisiko und als Verrat am völkischen wie am "Rassegedanken".

    Gleich nach der Machtergreifung setzte daher ein verschärfter Terror gegen die Freimaurerei ein, der sie besonders traf, weil sie am "nationalen Aufbauwerk" so gern beteiligt worden wäre. Die Flucht nach vorn aber etwa durch Eingaben an Reichspräsident Hindenburg oder Umbenennung der Logen in "Deutscher Christlicher Orden" und Übernahme des Arierparagraphen nutzte nichts. Bis Mitte 1935 waren die meisten Logen zur Selbstauflösung schikaniert worden, am 6. 9. 35 erfolgte gemäß Reichstagsbrandverordnung die Zwangsauflösung aller restlichen Freimaurerei-Vereinigungen und der Einzug der Logenvermögen, da sie "zu volks- und staatsfeindlichen Bestrebungen" bestimmt gewesen seien. Beamte, die erst nach dem 30. 1. 33 aus den Logen ausgetreten waren, wurden von Festanstellung und Beförderung ausgeschlossen oder entlassen, die anderen nur unter Vorbehalt weiterbeschäftigt. Im SD-Hauptamt (später RSHA) wurde ein Freimaurer-Referat II/111 (später VII B1) eingerichtet. "Hartnäckige" Anhänger der Freimaurerei büßten ihre Haltung in KZ oder im Krieg durch "Frontbewährung". Auch in den deutsch besetzten Gebieten wurden später Maßnahmen gegen die Freimaurerei ergriffen.