Fremdarbeiter

    Aus Lexikon Drittes Reich

    zunächst angeworbene, von 1942 an zunehmend zwangsrekrutierte Zivilarbeiter aus den deutsch besetzten Gebieten im Zweiten Weltkrieg. Die Fremdarbeiter wurden v. a. in Landwirtschaft und Industrie im Deutschen Reich eingesetzt oder auch in Zulieferbetrieben ihrer Heimat. Es handelte sich vornehmlich um Polen, Russen, Franzosen, Belgier und Niederländer. Mit wachsender Kriegsdauer wurde die Maske der Freiwilligkeit fallengelassen, der schon von Anfang an mit Drohung (Entzug der Lebensmittelkarten u. a.) nachgeholfen worden war. Am 21. 3. 42 ernannte Hitler Sauckel zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, am 22. 8. 42 genehmigte ein Erlass die Zwangsverpflichtung von Fremdarbeitern in allen besetzten Gebieten und in den Gefangenenlagern, am 15. 4. 43 sprach Sauckel in seiner ersten Jahresbilanz von 3 638 056 "neuen fremdvölkischen Arbeitskräften" und 1 622 829 Kriegsgefangenen, die der deutschen Kriegswirtschaft "zugeführt" worden seien. Beim Nürnberger Prozess wurde von einer Gesamtzahl von zwölf Millionen Fremdarbeitern ausgegangen, von denen die überwältigende Mehrheit mit oft brutaler Gewalt von SS- und SD-unterstützten Einsatzkommandos der Arbeitsämter zum Dienst in Deutschland gepresst wurde (z. T. regelrechte Verschleppung).


    Die Fremdarbeiter wurden von der Sicherheitspolizei und dem Referat "Ausländische Arbeiter" bei der Gestapo überwacht. Während die Fremdarbeiter aus den westlichen Ländern in etwa ihren deutschen Kollegen gleichgestellt waren (insbesondere die begehrten Facharbeiter), wurden die "Ostarbeiter" aus der Sowjetunion und die "nicht eindeutschungsfähigen" Fremdarbeiter aus Polen und Südosteuropa zahlreichen Beschränkungen unterworfen. Sie mussten Kennzeichen auf der Kleidung tragen – "OST" für russische, "P" für polnische Fremdarbeiter –, durften nicht an kulturellen oder kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen, Radio und Zeitungen waren ihnen verboten, Verhältnisse mit deutschen Frauen konnten als Rassenschande mit der Todesstrafe geahndet werden. Zudem erhielten die Fremdarbeiter aus dem Osten deutlich niedrigere Löhne, vor denen sie noch bis zu 15 % abzuführen hatten ("Ostarbeiterabgabe"), da sie auch in der Heimat einen geringeren Lebensstandard gehabt hätten.