Friedrich Gundolf

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Literaturhistoriker und Schriftsteller

    geboren: 20. Juni 1880 Darmstadt gestorben: 12. Juli 1931 Heidelberg


    (ursprünglich Gundelfinger), 1911 Habilitation in Heidelberg mit der bedeutenden Schrift "Shakespeare und der deutsche Geist", 1916 außerordentlicher Professor, 1920 ordentlicher Professor in Heidelberg. Gundolf war geprägt von der Freundschaft mit S. George, zu dem er sich in "Gefolgschaft und Jüngertum" bekannte, und machte sich einen Namen mit unübertroffenen Biographien deutscher Dichter ("Goethe", 1916; "Kleist", 1923). Der Student Goebbels bewunderte Gundolf, in dessen Seminar er 1920 aufgenommen wurde, trotz seiner jüdischen Herkunft auch wegen der nationalistischen Äußerungen im Ersten Weltkrieg. Gundolf gab Goebbels das Promotionsthema ("Wilhelm von Schütz - Ein Beitrag zur Geschichte des Dramas der Romantischen Schule"), wurde aber wegen Befreiung von der Prüfpflicht nicht sein Doktorvater (der war Professor Waldberg). Gundolf war ohnehin wenig beeindruckt von Goebbels, dessen erwachender Antisemitismus durch die latente Ablehnung Nahrung erhielt. Im Dritten Reich waren Gundolfs Schriften als "willkürlich" verfemt.