Friedrich Karl Otto Dibelius

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher evangelischer Theologe

    geboren: 15. Mai 1880 in Berlin gestorben: 31. Januar 1967 in Berlin


    1907 Pastor, 1925 Generalsuperintendent der Kurmark. Dibelius war zunächst national eingestellt und äußerte auch antisemitische Vorurteile, was ihn in Gegensatz brachte zur "dialektischen Theologie" von Barth. Auch der Machtergreifung der Nationalsozialisten stand er anfangs wohlwollend-abwartend gegenüber und gab am Tag von Potsdam in seiner Predigt zur Reichstagseröffnung dem neuen Regime Segenswünsche mit auf den Weg. Erschreckt vom antikirchlichen Kurs Hitlers, hinter dem er bald die antichristlichen Ziele erkannte, wandte sich Dibelius der Bekennenden Kirche zu und verlor sein Amt. Unermüdlich kämpfte er, zeitweise inhaftiert oder mit Redeverbot belegt, für die Freiheit der Religionsausübung, ging mit seinen Protesten über den kirchlichen Rahmen aber nicht hinaus, obwohl er im Krieg durch Gerstein Kenntnis vom nationalsozialistischen Endlösungs-Programm erhielt. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis vom 19. 10. 45, das er mitformulierte, war daher auch als persönliches Eingeständnis des Versagens gemeint. 1949-61 war Dibelius Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1954-61 erster Deutscher im Präsidium des Ökumenischen Rats der Kirchen und leitete 1945-66 als Bischof die evangelische Kirche von Berlin-Brandenburg. Seine wohl bekannteste Schrift: "Das Jahrhundert der Kirche" (1927).