Gaswagen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    so genannte S-Wagen (Spezial-Wagen), wurden als mobile Gaskammern zur Tötung von Juden und anderen "potentiellen Gegnern" mittels Auspuffgasen überwiegend in den besetzten Ostgebieten eingesetzt. Ungefähr seit Spätsommer 1941 befasste man sich im RSHA unter Leitung des SS-Obersturmführers (später Standartenführer) Rauff mit der Fertigung von Gaswagen. Die Fahrgestelle wurden von den Lkw-Fabriken Saurer und Diamond, die Aufbauten von der Firma Gaubschat, Berlin, hergestellt und die Vorrichtungen zur Vergasung in der Kfz-Werkstatt des RSHA eingebaut. Nach Fertigstellung eines Gaswagens führte die SS Probevergasungen durch, u. a. mit sowjetischen Kriegsgefangenen im KZ Sachsenhausen.

    Im Spätherbst 1941 kamen die ersten Gaswagen zum Einsatz. Mit ihren technischen Leistungen war man zufrieden. So hieß es in einem Erfahrungsbericht vom 5. 6. 42 an Rauff, dass seit Dezember 41 mit drei eingesetzten Gaswagen "97 000 verarbeitet" wurden, ohne dass Mängel an den Kfz aufgetreten seien. Einige Abänderungen – z. B. zur schnelleren und leichteren Entladung sowie zur handlicheren Säuberung der Wagen – hielt man jedoch für zweckmäßig (Vermerk des RSHA/II D 3 a (9) Nr. 214/42 g. RS. vom 5. 6. 42, Dok.Slg. der Ludwigsburger Zentralstelle). Die Gaswagen hatten das Aussehen von Möbelwagen. Zur Überwachung des Vergasungsvorgangs befand sich in dem Kastenaufbau ein kleines Fenster, das später entfiel. Vom Auspuff führte ein (abnehmbarer) Schlauch zu einem durch die Ladefläche in das Wageninnere führenden Rohr. Insgesamt waren mindestens 30 Gaswagen zur Liquidierung von Gettos und Lagern sowie zur "Leerung" von Gefängnissen eingesetzt.