Geisel-Prozess

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Prozess gegen die Südost-Generäle, Verfahren des Militärgerichtshofs#V der USA in Nürnberg gegen den ehemaligen Generalfeldmarschall List u. a. wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen (Fall 7). Angeklagt waren zwölf Generäle oder im Generalsrang stehende Offiziere der Wehrmacht. Im Mittelpunkt stand der Vorwurf, die Angeklagten seien Täter oder Mittäter bei der Ermordung von Tausenden von Zivilisten insbesondere in Griechenland, Jugoslawien und Albanien gewesen.

    Vor Beginn der Hauptverhandlung verübte General Franz Böhme am 29. 5. 47 Selbstmord. Das Verfahren gegen Generalfeldmarschall Weichs wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit abgetrennt. Am 19. 10. 48 verurteilte das Gericht List und einen weiteren zu lebenslänglicher Haft, sechs Angeklagte - z. T. unter Freisprechung in einem Anklagepunkt - zu Freiheitsstrafen von sieben bis zu 20 Jahren; zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Alle Zeitstrafen wurden am 31. 1. 51 im Gnadenweg herabgesetzt.

    Das Urteil wurde in der östlichen Presse stark kritisiert. Insbesondere wurde die Feststellung des Gerichts angegriffen, dass einer Besatzungsmacht das Recht zustehe, unter gewissen Umständen Geiseln zu erschießen, und dass Partisanen die Stellung von Kriegführenden nicht zustehe.