Gemeinnützigkeit

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im steuerlichen Sinne Wirtschaftstätigkeit, die wegen des öffentlich anerkannten Nutzens für die Allgemeinheit begünstigt wird; als nationalsozialistisches Schlagwort Beschwörung der "echt menschlichen Gemeinschaft, die wir Deutschen ... durch Adolf Hitler im Volk wieder erkennen". Der Gedanke der Gemeinnützigkeit steckte danach in der Forderung des Parteiprogramms der NSDAP vom 24. 2. 20 nach "Tätigkeit des Einzelnen ... zum Nutzen aller" (Punkt 10), nach Bodenreform (Punkt 17), nach Bekämpfung gemeiner "Volksverbrecher, Wucherer, Schieber" (Punkt 18) und nach Ersatz des angeblich materialistischen römischen Rechts durch ein "Deutsches Gemeinrecht". Auch die Freiheit des religiösen Bekenntnisses (Punkt 24) stehe unter dem Gebot einer Gemeinnützigkeit im Sinne der "Volksgemeinschaft": "Gemeinnutz vor Eigennutz." Die nationalsozialistische Interpretation ging damit über die Forderung nach Sozialbindung von wirtschaftlichem und politischem Handeln hinaus und begründete auch rechtlich eine Zurückstufung der Individualrechte hinter ein Gemeinwohl, das im Dritten Reich allein von der politischen Führung definiert wurde.