Generalplan Ost

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Titel einer Denkschrift der Hauptabteilung Planung (Professor Meyer-Hetling) beim Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums über "rechtliche, wirtschaftliche und räumliche Grundlagen des Ostaufbaus"; von Himmler in Auftrag gegeben und am 12. 6. 42 abgezeichnet. Mitgearbeitet hatten auch Rosenbergs Ministerium für die besetzten Ostgebiete und das Rassenpolitische Amt der NSDAP, so dass der Generalplan Ost als offizielles Programm der nationalsozialistischen Eroberungs- und Besatzungspolitik angesehen werden kann: Danach sollten in den ersten 25 Jahren nach Kriegsende 31 Millionen Einwohner Polens, des Baltikums und der sowjetischen Westgebiete nach Sibirien abgedrängt und dezimiert werden, während die verbleibenden 14 Millionen, v. a. "eindeutschungsfähige" Balten und Ukrainer "nordischer oder dinarischer Rassenzugehörigkeit", mithelfen würden, die deutsche "Volkstumsgrenze" tausend Kilometer nach Osten zu verlegen. Sie waren als Arbeitssklaven für die Siedler gedacht, die aus dem Reich, volksdeutschen Gebieten in Südtirol, Rumänien oder Ungarn, aus Skandinavien, Holland und England in den Osten gehen und die eigentliche "Germanisierung" vollenden sollten. 36 Siedlungsschwerpunkte mit 20 000 Einwohnern, umgeben von einem Kranz von Dörfern, waren als Netz zur Erschließung und Kontrolle der neuen Marken geplant: "Ingermanland" um Leningrad, "Gotengau" mit der Krim, Memel-Narew-Gebiet, Generalgouvernement u. a.

    Der Generalplan Ost, begründet mit einstiger germanischer Besiedlung der vorgesehenen Gebiete, sollte die "geopolitische Windrichtung" nach Osten umkehren und Hitlers Lebensraumforderungen aus "Mein Kampf" erfüllen. Ein Lebensrecht für die "slawischen Untermenschen" war in diesem rassistischen Konzept nicht vorgesehen. Auch wenn wegen der wechselnden Kriegslage seine Verwirklichung über schmale Anfänge nicht hinauskam, prägte es doch die deutschen Besatzungspraktiken in den Reichskommissariaten Ostland und Ukraine und ließ die anfängliche Begeisterung der Bevölkerung für die Wehrmacht rasch in unversöhnlichen Hass gegen die Besatzer umschlagen.