Genfer Abkommen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Genfer Konventionen), Bezeichnung für eine Reihe von in Genf geschlossenen internationalen Verträgen zum Schutz von Verwundeten und kranken Soldaten, Kriegsgefangenen und Zivilpersonen im Krieg: Das 1. Genfer Abkommen wurde auf Anregung Henri Dunants (1828-1910) am 22. 8. 1864 von 16 Staaten (darunter Preußen und andere Mitglieder des Deutschen Bundes) geschlossen und betraf Soldaten im Landkrieg. Es legte zudem das Schutzzeichen des Roten Kreuzes fest und wurde 1899 auf den Seekrieg ausgeweitet. Ein 2. Genfer Abkommen vom 6. 7. 06 erweiterte das 1. wesentlich und wurde von 40 Staaten ratifiziert. Am 27. 7. 29 einigten sich 15 Staaten auf ein weiteres (3.) Genfer Abkommen, das insbesondere die Behandlung der Kriegsgefangenen regelte, und am 12. 8. 49 vereinbarten 59 Regierungen ein 4. Genfer Abkommen "zum Schutz der Kriegsopfer", das heute von nahezu allen Ländern ratifiziert ist. Die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gültigen ersten drei Genfer Abkommen, die Kriegsbetroffene v. a. vor Tötung, Verstümmelung, Folter, Geiselnahme und Verletzung der Menschenwürde bewahren sollten, wurden von nahezu allen Krieg führenden Parteien verletzt. Deutscherseits entsprach das Verhalten auf den westlichen Kriegsschauplätzen im Allgemeinen wenigstens ansatzweise den Genfer Abkommen, während der "Weltanschauungskrieg" im Osten fast ohne Rücksicht auf Geist oder gar Buchstaben der Genfer Abkommen geführt wurde (u. a. Einsatzgruppen).