Geopolitik

    Aus Lexikon Drittes Reich

    vom schwedischen Staatswissenschaftler R. Kjéllen 1905 geprägte Bezeichnung für die wissenschaftliche Untersuchung der geographischen Bedingtheit politischer Vorgänge. Die Geopolitik konnte in der deutschen Ausprägung durch K. Haushofer allerdings wissenschaftlichen Rang nicht erreichen, da sie sich nach dem Ersten Weltkrieg in den Dienst der Revisionspolitik stellte. Auf der Grundlage eines mythischen Bodenbegriffs entwickelte die deutsche Geopolitik eine antisemitische, zivilisationsfeindliche, imperialistische Theorie und forderte die - notfalls militärisch durchzusetzende - Bildung eines mitteleuropäischen Kontinentalblocks unter deutscher Führung. Dahinter standen antibritische ("Räuber der See") Autarkie-Vorstellungen und eine Art kollektiver Klaustrophobie, die nach "Atemfreiheit" und Ventilen für den "Volksdruck" verlangte. Hier geriet die Geopolitik in die Nähe der Lebensraum-Ideologie des Nationalsozialismus, der diese "wissenschaftliche" Unterstützung seiner expansiven Politik gern nutzte, auch wenn er die "unvölkische" Fundierung der Geopolitik kritisierte.


    1923-44 erschien eine "Zeitschrift für Geopolitik", herausgegeben von K. Haushofer.