Georg Ritter von Schönerer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer Politiker

    geboren: 17. Juli 1842 Wien gestorben: 14. Dezember 1921 Rosenau (Niederösterreich)


    Schul- und Studienjahre in Deutschland, 1873-88 Abgeordneter des Waldviertels im Wiener Reichsrat. Schönerer vertrat anfangs liberale Positionen, wandelte sich aber bald zum Deutschnationalen (Zeitschrift "Unverfälschte deutsche Worte", bis 1912) und Antisemiten, der zunehmend auch rassisch argumentierte. 1882 formulierte er das Linzer Programm mit und entwickelte einen Germanenkult in Verehrung von R. Wagner. Als das "Neue Wiener Tageblatt" 1888 vorzeitig den Tod des geliebten deutschen Kaisers Wilhelm I. meldete, ließ sich Schönerer zu einem Überfall auf die Redaktion hinreißen, wurde zu vier Monaten Kerker verurteilt und verlor Mandat und Adelstitel. 1897-1907 war er erneut im Reichsrat, dieses Mal für Eger, und profilierte sich als "Kämpfer für Alldeutschland". Schönerer konvertierte wegen der angeblich slawenfreundlichen Haltung des katholischen Klerus zum Protestantismus und gründete eine Los-von-Rom-Bewegung. Nach Einführung des allgemeinen Wahlrechts wurde der persönlich schwierige Eiferer nicht wiedergewählt, hatte aber weiter bedeutenden Einfluss auf die völkische und antisemitische Ideologie. Hitler bezog sich in "Mein Kampf" ausdrücklich auf Schönerer, an dem er nur kritisierte, dass er die Arbeiterfrage nicht richtig eingeschätzt habe.