Gerhart Hauptmann

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Schriftsteller

    geboren: 15. November 1862 in Bad Salzbrunn gestorben: 6. Juni 1946 in Agnetendorf


    Hauptmann wurde im Wilhelminischen Deutschland zum bedeutendsten Bühnenautor, fand mit sozialkritischen, naturalistischen Dramen wie "Die Weber" (1892, über den schlesischen Weberaufstand von 1844), "Rose Bernd" (1903) internationale Anerkennung (Nobelpreis 1912). Er widmete sein formal und inhaltlich vielschichtiges Werk neben sozialen besonders mythischen, psychologischen und biographischen Themen, bemühte sich insgesamt um eine humanistische Grundhaltung. 1914 geriet er zwar zeitweise in einen "Kriegstaumel", von dem er sich aber bald distanzierte; nach 1918 bekannte er sich zur Republik, entfloh aber der Tagespolitik mit dem Alter in ein "Über-den-Dingen-Stehen". Obwohl er die nationalsozialistische Diktatur kritisierte, konnte sich Hauptmann nicht völlig den Bemühungen entziehen, seinen Ruhm für das System nutzbar zu machen, was Kritiker ihm als "kompromisslerische Haltung" vorwarfen; sein einstiger Freund Kerr beschuldigte ihn der "Kumpanei mit den klobigen Gefängniswärtern Deutschlands". Doch auch im Spätwerk setzte sich Hauptmann kritisch mit Militarismus und Nationalismus auseinander ("Das Abenteuer meiner Jugend", 1937, 2 Bände), dramatisierte das Grauen des Zweiten Weltkriegs in der "Atriden"-Tetralogie (1941/48), in der die Menschen als "Gottes ohnmächtiges Werkzeug" dem Verhängnis ausgeliefert sind.