Germanisierung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    als Parallelbegriff zu Eindeutschung verwendete Bezeichnung für die Inbesitznahme slawisch besiedelter Gebiete Osteuropas durch "germanische", im Allgemeinen also deutsche Kolonisten bei gleichzeitiger Vertreibung, Unterdrückung bzw. ebenfalls Germanisierung der einheimischen Bevölkerung. Der schon in der alldeutschen Publizistik gängige Begriff kehrte u. a. in Hitlers Rede vor der Reichswehrführung am 3. 2. 33 im zunächst primär territorialen Sinne wieder: "Eroberung neuen Lebensraums im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung", gewann im Rahmen der Volkstumspropaganda rassenkolonialistische Züge und wurde im Zweiten Weltkrieg Wirklichkeit in der schon am 8. 11. 38 von Himmler angekündigten Weise: "Ich habe wirklich die Absicht, germanisches Blut in der ganzen Welt zu holen, zu rauben und zu stehlen." Als Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums seit 7. 10. 39 ließ Himmler in den deutsch besetzten Gebieten nach " eindeutschungsfähigen Personen" fahnden, deren Germanisierung zugleich eine "qualitative Minderung der Führerschicht im fremden Volkstum" bewirken sollte. Insbesondere "rassisch wertvolle" Kinder, ermittelt durch rassebiologische Untersuchungen des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS (RuSHA), bedeuteten für Himmler "rassisch einen wertvollen Bevölkerungszuwachs". Sie wurden von ihren Eltern getrennt und auf deutsche Familien verteilt oder zur "Aufzucht" in Heime der Organisation Lebensborn gebracht. Letztlich entsprang diese rassische Germanisierung dem Siedlermangel für die territoriale Germanisierung.