Gewerkschaften

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im 19. Jahrhundert entstandene Arbeitnehmerorganisationen zum Kampf für wirtschaftliche und soziale Interessen der Lohnabhängigen. Die deutschen Gewerkschaften, die nach einem "Burgfrieden" 1914 erst 1916 staatliche Anerkennung erlangten, nahmen nach Ende des Ersten Weltkriegs einen steilen Aufstieg. Die weitaus größte Gruppe waren die sozialdemokratischen Freien Gewerkschaften, die sich zum Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) zusammenschlossen, 1923 erweitert um den Afabund, es folgten die Christlichen Gewerkschaften, die liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine und kleinere Gruppierungen. Durch die Anerkennung der Tarifautonomie in der Weimarer Republik, die endgültige Durchsetzung des Achtstundentages und die solidarische Abwehr des Kapp-Putsches (1920) durch einen Generalstreik wuchs der Einfluss der Gewerkschaften und ihre Mitgliederzahl (über zehn Millionen). Der Trend kehrte sich um, als mit beginnender Weltwirtschaftskrise (1920-32) die Beschäftigung zurückging und auch manche soziale Errungenschaft beschnitten wurde (1932 unter sieben Millionen organisierte Arbeiter und Angestellte). Zu einer gemeinsamen Haltung konnten sich die politisch und weltanschaulich gebundenen Richtungsgewerkschaften nicht durchringen, auch nicht gegenüber den Bedrohungen durch die aufkommenden kommunistischen und nationalsozialistischen Rivalen (u. a. Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation). Selbst der 1931 noch 4,6 Millionen Mitglieder starke ADGB, beteiligt an der Kampforganisation der Eisernen Front, verlor mit dem tariflichen auch den politischen Handlungsspielraum und versagte sich der von Reichskanzler Schleicher geplanten Gewerkschaftsachse. Da eine Aktionsgemeinschaft mit den Kommunisten vollends ausgeschlossen war, setzten fast alle Gewerkschaften nach der Machtergreifung trotz aller Alarmzeichen auf ein Arrangement mit den Nationalsozialisten. Obwohl schon am 8./9. 3. 33 die so genannten Volkshäuser der Freien Gewerkschaften von SA besetzt wurden, nahm die ADGB-Führung das Gespräch mit der NSBO auf. Die Betriebsratswahlen im April 33 wiegten mit 73,4 % für die Freien Gewerkschaften und nur 11,7 % für die NSBO die Funktionäre zudem in Sicherheit, führten aber nur zur Beschleunigung der nationalsozialistischen Pläne zur "Zerschlagung" der Gewerkschaften. Als geschickter Schachzug erwies sich dabei die vom ADGB ausdrücklich begrüßte Erhebung des 1. Mai zum "Tag der nationalen Arbeit" (Maifeiertag), wofür die Arbeiterbewegung seit Generationen opfervoll gekämpft hatte. Noch bevor jedoch die Paraden begannen, erging am 21. 4. 33 der Befehl an SA und SS "zur Besetzung der Gewerkschaftshäuser und zur Inschutzhaftnahme der in Frage kommenden Persönlichkeiten", Stichdatum: "Dienstag, den 2. Mai 1933, 10 Uhr". Die Gleichschaltung der Gewerkschaften wurde pünktlich ausgeführt und traf auf keinen nennenswerten Widerstand, ein zuvor unter Ley gebildetes "Aktionskomitee zum Schutze der deutschen Arbeit" übernahm die Geschäfte, am 10. 5. wurde die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet, am 12. 5. beschlagnahmte man das Vermögen der Gewerkschaften wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten, am 28. 6. waren alle Arbeiter- und am 1. 7. alle Angestelltenorganisationen in die DAF eingegliedert.