Gewerkschaftsachse

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bezeichnung für einen Plan von General Schleicher Ende 32 zur Abwehr sowohl einer nationalsozialistischen Machtergreifung wie der staatsstreichähnlichen Pläne des amtierenden Reichskanzlers Papen. Die Idee der Gewerkschaftsachse entsprang der Erkenntnis, dass gegen die Arbeitnehmerschaft auf Dauer keine Politik zu machen sei und dass bei Koalitionsunfähigkeit der Parteien vielleicht mit deren Verbänden und Arbeitnehmerflügeln eine Übereinkunft zu erzielen sein würde. Die Gewerkschaftsachse sollte vom sozialdemokratischen ADGB über die Christlichen Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP reichen. Am 1. 12. 32 trug Schleicher das Konzept Reichspräsident Hindenburg vor, kam damit aber erst zum Zuge, als Papen für seine Verfassungsmanipulationen im Kabinett kaum Unterstützung fand. Am 3. 12. 32 wurde Schleicher Reichskanzler, stieß aber bei Hitler auf taube Ohren für seine Gewerkschaftsachse. Er versuchte daher, die NSDAP zu spalten und sich mit dem für die Gewerkschaftsachse aufgeschlossenen G. Strasser zu verbünden. Der aber vermochte sich gegen Hitler nicht durchzusetzen und gab am 8. 12. 32 alle Parteiämter ab. Auch auf der linken Seite verweigerte sich schließlich der ADGB auf Druck der SPD, die ein Bündnis mit dem autoritären General kategorisch ablehnte. Im Januar 33 stand Schleicher damit vor dem gleichen Dilemma wie zuvor Papen und erörterte nun selbst Gewaltlösungen, die der Reichspräsident aber ablehnte. Der Weg für Hitlers Machtergreifung war frei.