Gottfried Benn

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Dichter und Arzt

    geboren: 2. Mai 1886 in Mansfeld (Brandenburg) gestorben: 7. Juli 1956 in Berlin


    studierte Medizin, war im Ersten Weltkrieg Militärarzt und ließ sich 1917 als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin nieder. Schon 1912 war sein erster Gedichtband ("Morgue") erschienen, dem Essays, dramatische Versuche und weitere Lyriksammlungen in expressionistischem Ton folgten. 1932 wurde Benn in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen und formulierte in seiner Antrittsrede ("Nach dem Nihilismus") Hoffnungen auf Überwindung der kulturellen wie politischen Krise jener Jahre, die mit persönlichen krisenhaften Entwicklungen zusammentraf. 1933 begrüßte Benn die Machtergreifung Hitlers als Versuch heroischer Selbstbehauptung des deutschen Volks, der weißen Rasse, und polemisierte gegen die Emigranten, wandte sich aber schon nach der Röhm-Affäre 1934 entsetzt ab vom Nationalsozialismus und seinen Kultureinrichtungen, die er als "völkische Ausscheidungsorgane" verachtete. Benn geriet in die Schusslinie der Partei, wurde 1938 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Veröffentlichungsverbot. Er flüchtete sich in einer Art "aristokratischer Emigration" in eine "Zwei-Reiche-Theorie", nach der das seine, das ästhetische, nicht von dieser Welt sei und darum mit dem politischen unvereinbar. Benns Abkehr vom Nationalsozialismus erscheint so nicht aus kritischer Einsicht geboren, sondern aus bitterer Enttäuschung. Nach dem Krieg, den er als Militärarzt (seit 1935) überstand, wieder zu Dichterruhm gekommen (z. B. "Statische Gedichte", 1949), konnte er daher die Kritiker seiner NS-Verstrickung nie ganz zum Schweigen bringen, die ihm "Abdankung des Intellektuellen vor der Tyrannis" vorwarfen. Diese Kritik hat Benns große dichterische Bedeutung verdunkelt.