Gregor Strasser

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 31. Mai 1892 in Geisenfeld, Oberbayern gestorben: 30. Juni 1934 in Berlin


    Studium der Pharmazie, Apotheker in Landshut, im Ersten Weltkrieg Offizier, danach Anführer des "Sturmbataillons Niederbayern", 1921 NSDAP-Beitritt, Gauleiter in Niederbayern, Teilnahme am Hitlerputsch vom 9. 11. 23. Da Strasser im April 24 in den bayerischen Landtag gewählt wurde, blieb ihm die Verbüßung der eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe erspart, und er konnte während der Verbotszeit der NSDAP deren Ersatzorganisation Nationalsozialistische Freiheitsbewegung aufbauen. Ab Dezember 24 war er MdR und behielt das Mandat auch nach Wiederbegründung der NSDAP (27. 2. 25) bis Dezember 32. Das sicherte ihm erheblichen Einfluss in der Parteiführung, die ihn mit dem Aufbau einer norddeutschen Organisation beauftragte. Strasser erhielt damit eine Hausmacht, die er im Sinne seiner sozialrevolutionären Ideen prägte und in Gegensatz zum eher nationalistischen Hitler-Flügel brachte. Er forderte die Vergesellschaftung von Banken und Schwerindustrie, polemisierte in den Organen des von ihm am 1. 3. 26 gegründeten Kampf-Verlags (Berlin) gegen "das System" und propagierte den Aufbau einer "organischen" völkischen Gemeinschaft, die den Fetisch der Mehrproduktion und des Gewinns und damit Kapitalismus wie Bolschewismus überwinden sollte. Trotz der ideologischen Differenzen mit Hitler, die auch nach der Bamberger Führertagung vom 14. 2. 26 weiterschwelten, wurde Strasser im September 26 zum Reichspropagandaleiter ernannt (1930 von Goebbels abgelöst) und erhielt im Dezember 27 sogar den einflussreichen Posten eines Reichsorganisationsleiters. Der Konflikt Hitler-Strasser, 1930 durch den Parteiaustritt des dogmatischeren Bruders Otto Strasser noch einmal gedämpft, entlud sich, als Reichskanzler Schleicher im Dezember 32 Strasser für seine so genannte Gewerkschaftsachse zu gewinnen suchte und ihm die Vizekanzlerschaft sowie den Posten des preußischen Ministerpräsidenten antrug. Dieser Versuch, den linken Flügel der NSDAP abzuspalten, scheiterte an Hitlers überlegenem Taktieren und an Strassers Entscheidungsschwäche. Am 8. 12. 32 trat er von allen Parteiämtern zurück und resignierte. Dennoch hielt ihn Hitler weiterhin für eine Gefahr und ließ ihn wie Schleicher während der Röhm-Affäre ermorden.