Griechenland

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Staat in Südosteuropa mit rund 127 000 km² und 6,2 Millionen Einwohnern (1928). Griechenland gewann als Folge des Ersten Weltkriegs 1919/20 erhebliche Gebiete auf Kosten Bulgariens (Südthrakien) und der Türkei (Ostthrakien, Smyrna), verlor aber die türkischen Erwerbungen wieder nach der Niederlage im Griechisch-Türkischen Krieg 1920-22. Die bestehenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme des rückständigen Landes wuchsen danach durch neue Lasten: Ansiedlung und Integration von etwa 1,4 Millionen griechischen Flüchtlingen; innenpolitische Dauerkrise durch wechselvolle Auseinandersetzungen zwischen Royalisten und Republikanern um die Staatsform (1. 5. 24 Einführung der Republik, 25. 11. 35 nach manipulierter Volksabstimmung Wiedereinführung der Monarchie unter König Georg II.) mit einer stets putschbereiten, politisierenden und tief zerrissenen Armeeführung im Hintergrund. Nach gewisser Stabilisierung unter Ministerpräsident Venizelos (1928-32 und 33) brachten die katastrophalen Folgen der Weltwirtschaftskrise und der Sieg der radikalen Royalisten 1933 erneut innere Polarisierung, die dann die Diktatur des Generals Metaxas (4. 8. 36 Umsturz) nach faschistischem und nationalsozialistischem Vorbild zudeckte.


    Außenpolitisch blieb es bei der traditionellen Linie des Ausgleichs und der Neutralität durch bilaterale Abkommen mit den Nachbarstaaten und den Balkanpakt mit Jugoslawien, Rumänien und der Türkei (9. 2. 34). Griechenland lehnte sich eng an den Westen an (13. 4. 39 britisch-französische Garantie der griechischen Unabhängigkeit) gegen den italienischen Imperialismus des "mare nostro" und konnte den italienischen Angriff von Albanien aus (28. 10. 40) noch auffangen, nicht aber den deutschen Balkanfeldzug im April/Mai 41. König Georg II. floh mit der Regierung nach Ägypten unter britischen Schutz, Griechenland wurde von deutschen und italienischen Truppen besetzt, Thrakien fiel an Bulgarien.

    Unter einem sehr repressiven Besatzungsregime mit Geiselerschießungen, Massenexekutionen, Hungerkatastrophen und Judenpogromen (insgesamt 65 000 Opfer der Endlösung) entstanden fanatisch kämpfende Widerstandsgruppen, die aber auch untereinander verfeindet waren. Zahlreiche Versuche der Exilregierung und des britischen Oberkommandos im Mittelmeer, durch eine Zusammenarbeit sowohl mit den republikanisch-nationalistischen wie mit den revolutionär-kommunistischen Gruppen den Bürgerkrieg in Griechenland zu verhindern und gemeinsam eine Nachkriegsordnung vorzubereiten, scheiterten. Erst nach langen Kämpfen und regulären Feldzügen Ende 44-Mitte 49 setzten sich mit britischer und amerikanischer Hilfe die bürgerlichen Kräfte durch und verhinderten eine Umwandlung Griechenlands in eine Volksrepublik nach dem von den Sowjets in den anderen Staaten Ost- und Südosteuropas erfolgreich angewandten Muster der Bolschewisierung.