Groß-Rosen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ, 1940 ursprünglich als Arbeitslager bei Striegau im Kreis Schweidnitz im ehemaligen Regierungsbezirk Breslau errichtet. Das Lager war zunächst nur mit einigen 100 Häftlingen belegt, die in Holzbaracken untergebracht waren. Im Zuge der Verlegung der Rüstungsindustrie nach Osten wurde Groß-Rosen ständig vergrößert und als selbständiges KZ eingerichtet. Zuletzt hatte Groß-Rosen bis zu 70 Nebenlager (Außenkommandos) mit einer Gesamtbelegschaft von rund 80 000 Häftlingen. Im Hauptlager selbst befanden sich etwa 10 000 Häftlinge fast aller europäischen Nationen; die verhältnismäßig wenigen deutschen Häftlinge setzten sich zum überwiegenden Teil zusammen aus Angehörigen der Häftlingskategorien Berufsverbrecher, Asoziale und Homosexuelle. Die Lagerinsassen arbeiteten im Wesentlichen für die deutsche Rüstungsindustrie, waren aber auch in Steinbrüchen beschäftigt. Verpflegung, Unterbringung und hygienische Verhältnisse sowie die allgemeine Behandlung waren schlecht, jedoch besserten sich die Zustände 1942/43 leicht. Dennoch führte die unmenschliche und brutale Behandlung zu vielen Todesfällen: Gefangene wurden von SS-Angehörigen oder Funktionshäftlingen geprügelt, erschossen, erhängt, ertränkt oder aus den geringsten Anlässen zu Tode misshandelt. Viele starben wegen angeblicher oder tatsächlicher Übertretung von Vorschriften in der Strafkompanie oder in dem innerhalb dieser Kompanie eingerichteten Sonderkommando, der so genannten "verschärften Strafkompanie".

    Anfang Februar 45 wurde Groß-Rosen beim Heranrücken der Front geräumt; die Häftlinge wurden in Eisenbahntransporten (Güterwaggons) und Evakuierungsmärschen auf andere KZ im Innern des Reiches verteilt. Dabei kam es durch Hunger, Erschöpfung und Erschießungen zu zahlreichen Todesfällen. Etwa 20 bis 30 Häftlinge, vorwiegend Russen und Polen, die sich im Lager versteckt hatten, um dem Abtransport zu entgehen, wurden von dem zu Aufräumungsarbeiten und zum Verbrennen der schriftlichen Unterlagen im Lager zurückgebliebenen SS-Kommando aufgefunden und erschossen.

    Die Kommandanten von Groß-Rosen nach dem Krieg: Johannes Hassebroek wurde von einem britischen Militärgericht zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, aber bereits 1954 aus der Haft entlassen. Sein Nachfolger Arthur Rödl beging 1945 in Stettin Selbstmord. Gegen den letzten Kommandanten Wilhelm Gideon lief ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, das jedoch eingestellt wurde.