Gruppe Ulbricht

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nach ihrem Leiter Ulbricht benannte erste Gruppe kommunistischer Emigranten, die am 30. 4. 45 aus Moskau (Nationalkomitee "Freies Deutschland") mit zehn Mitgliedern (darunter O. Winzer, K. Maron, G. Gundelach und W. Leonhard, Autor des autobiographischen Bestsellers "Die Revolution entlässt ihre Kinder", 1955) nach Berlin zurückkehrte. Sie sollte unter den Direktiven der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) die, wie es zunächst hieß, bürgerlich-demokratische und antifaschistische Neugestaltung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) einleiten und die deutschen Selbstverwaltungsorgane in Großberlin (Magistrat) und in den 20 Berliner Bezirken wiederaufbauen. Ulbricht folgte dabei dem Prinzip, nach außen die breite demokratisch-antifaschistische Basis dieser Organe durch die Einbeziehung von Sozialdemokraten und Bürgerlichen zu dokumentieren und nur Schlüsselpositionen (Personal, Volksbildung, Polizei) mit zuverlässigen Kommunisten zu besetzen. Nachdem ursprüngliche Pläne zur Bildung einer antifaschistischen Einheitsorganisation ("Block der kämpferischen Demokratie") fallen gelassen worden waren, löste sich die Gruppe Ulbricht mit der von der Moskauer Emigration (Gruppe Pieck) zielbewusst vorbereiteten Wiedergründung der KPD am 11. 6. 45 auf. Ihre Vertreter rückten in zentrale Positionen des Magistrats (Winzer, Maron), des Rundfunks (Mahle), der Presse (Leonhard) und dann des Staats- und Parteiapparats der SBZ bzw. DDR ein. Um ihre enge Bindung zur Moskauer Emigration und die Tatsache zu verschleiern, dass sie mit sowjetischer Rückendeckung spontane Wiederaufbauinitiativen von Volksausschüssen und Komitees des innerdeutschen antifaschistischen Widerstands oft brutal unterdrückte, blieb die Arbeit der Gruppe Ulbricht lange im Dunkeln.