Gustaf Gründgens

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant

    geboren: 22. Dezember 1899 in Düsseldorf gestorben: 7. Oktober 1963 in Manila


    Provinzengagements (Halberstadt, Kiel), 1923 zu den Hamburger Kammerspielen, 1928 nach Berlin; 1925-28 verheiratet mit Erika Mann. Seine ersten Triumphe feierte Gründgens Anfang der 30er Jahre: Auf der Leinwand faszinierte er als Edelganove in Fritz Langs "M" (1931), auf der Bühne brillierte er insbesondere als Mephisto in Goethes "Faust" (erstmals 1932). So zwielichtig wie die Charaktere waren, die Gründgens mit Vorliebe und Verve verkörperte, war die Rolle, die er im Dritten Reich spielte: Ein großartiger Künstler im Dienst der Weltkultur und zugleich ein unersetzlicher Kulturträger des nationalsozialistischen Staats, des erbitterten Feinds eben dieser Weltkultur.

    Ungeachtet seines exzentrischen Privatlebens und politischen Denkens wurde Gründgens 1934 zum Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses am Gendarmenmarkt und 1936 zum Generalintendanten der Preußischen Staatstheater ernannt, die wie alle deutschen Bühnen unter dem Dach der Reichstheaterkammer gleichgeschaltet waren. Im gleichen Jahr verlieh ihm Göring, sein Gönner, "in dankbarer Würdigung Ihrer Verdienste um die Pflege der darstellenden Kunst im nationalsozialistischen Staat" den Titel eines Preußischen Staatsrats. Ebenfalls 1936 zeichnete in Amsterdam Klaus Mann, sein Ex-Schwager, in seinem Roman "Mephisto" das Bild vom Mephisto Gründgens, der vom Ehrgeiz zerfressen zum Komplizen der Nationalsozialisten wird. Es war ein in der Verbitterung der Emigration entstandenes Zerrbild. Richtig ist, dass sich Gründgens vom nationalsozialistischen Staat vereinnahmen ließ, um seinen Kollegen als Freund und sich als Künstler treu bleiben zu können. Um sein Ensemble einschließlich der "nichtarischen" Mitglieder vor dem Zugriff des Regimes zu schützen, machte er manche widerwillige Konzession, z. B. die Übernahme der Rolle des britischen Premiers J. Chamberlain im Propagandafilm "Ohm Krüger" (1941), bewahrte aber "eine Oase des Geistes in der braunen Wüste" (F. Luft). Nach kurzer Internierungszeit in einem sowjetischen Lager (russische Offiziere hatten den Titel "General"-Intendant missverstanden) setzte Gründgens nach 1945 seine künstlerische Arbeit als Leiter des Düsseldorfer und später des Hamburger Schauspielhauses fort. Eine seiner Sternstunden, die Hamburger "Faust"-Inszenierung, ist in einer Filmfassung erhalten.