Gustav Ritter von Kahr

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 29. November 1862 in Weißenburg gestorben: 30. Juni 1934 in München


    Jurastudium, 1917 Regierungspräsident von Oberbayern und 1920 nach dem Kapp-Putsch Ministerpräsident einer bürgerlichen Rechtsregierung in Bayern. Konservativ, national und monarchistisch gesinnt, wollte Kahr aus Bayern eine "Ordnungszelle" gegen Berlin machen. Dabei stützte er sich auf die von ihm und dem Forstrat Escherich aufgebauten Einwohnerwehren ("Orgesch") und suchte das Bündnis mit allen rechtsstehenden republikfeindlichen Gruppen. Zunächst gescheitert, trat Kahr am 11. 9. 21 zurück, wurde aber am 26. 9. 23 unter den Zeichen einer beginnenden Auflösung jeder staatlichen Ordnung als Generalstaatskommissar wieder geholt. Er nahm den kurz zuvor vom Reichswehrminister entlassenen General Lossow und mit ihm den bayerischen Teil der Reichswehr "in Pflicht" und plante die Errichtung einer Rechtsdiktatur im Reich von Bayern aus. Diese Absichten wurden jedoch von Hitler durchkreuzt, der sich mit der ihm von Kahr zugedachten Rolle als "Trommler" nicht zufrieden geben wollte. Beim Hitlerputsch am 8. 11. 23 gefangen gesetzt und zur Teilnahme gezwungen, sagte sich Kahr bereits am folgenden Tag von dem Unternehmen los und schlug mit Reichswehr und Polizei den Aufstand nieder. Kahr war danach von 1924-30 Präsident des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Hitlers Rache ereilte ihn 1934; er wurde bei der Mordaktion der Röhm-Affäre verschleppt und getötet.