Hörspiel

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (anfänglich auch Funkdrama oder Sendungsspiel), Gattung der dramatischen Literatur, die sich ausschließlich akustisch ausdrückt, durch Wort, Geräusch, Musik; im deutschen Rundfunk 1924 eingeführt. In der Anfangszeit des Hörspiels wurden häufiger experimentelle und kritische Stücke gesendet (u. a. von Brecht, Kästner, Mehring), doch schon vor 1933 dominierte im deutschen Hörspiel eine antirepublikanische und völkische Tendenz, die nach der Machtübernahme von den nationalsozialistischen Rundfunkpolitikern konsequent gefördert wurde: Seit 1933 entstanden besonders Stücke aus der bäuerlichen Welt, die thematisch und durch ihre Naturmystifizierung der Blut-und-Boden-Dichtung entsprachen; in zahlreichen historischen Stücken wurde germanisch-deutsche Geschichte religiös überhöht. Zunehmend unterlag das Hörspiel ideologischer Funktionalisierung, Zeitstücke, z. B. über den Spanischen Bürgerkrieg, dienten psychologischer Kriegsvorbereitung, Abenteuerspiele (z. B. Günter Eichs "Aufstand in der Goldstadt", 1940) sollten antienglische Feindbilder vertiefen. Das literarische Hörspiel verschwand nach Kriegsbeginn fast völlig zugunsten von "Lehrstücken" (u. a. über Vererbungslehre, zur Warnung vor feindlichen Spionen) und Mischformen: Chorische Sprech- und Weihespiele, die in pathetischer Verbindung von Musik und Text deutsche Geschichte ins Mythische verklärten und die seit 1933 besonders zu nationalsozialistischen Feiern ausgestrahlt wurden. Goebbels, der stärker am massenwirksamen Film interessiert war, "lehnt das Hörspiel grundsätzlich ab" (Aktenvermerk 1940), vermutlich, weil es als künstlerische Form nicht kollektiv, sondern individuell rezipiert wird.