Hakenkreuz

    Aus Lexikon Drittes Reich

    offizielles Symbol der NSDAP und des nationalsozialistischen Deutschlands. In Europa ist das Hakenkreuz seit dem 4. vorchristlichen Jahrtausend nachgewiesen; als Swastika (altindisch für heilbringendes Zeichen) und in leicht abgewandelten Formen taucht das gleichschenklige Kreuz mit vier gleichgerichteten, abgerundeten, recht- oder spitzwinkligen Armen häufig in asiatischen, seltener in afrikanischen oder mittelamerikanischen Kulturen auf. Das Hakenkreuz lässt sich meist als Sonnenrad deuten und gilt heute noch in Indien und Japan als "glückverheißendes und unheilabwehrendes" Sonnensymbol. Für die germanische Überlieferung kann man im Hakenkreuz ("fyrfos": Vierfuß) auch Thors Hammer oder eine doppelte Wolfsangel finden; in der germanischen Volkskunst erhielt sich das Hakenkreuz nach der Christianisierung als dekoratives Element.


    Im Zuge deutschtümelnder Rückbesinnung entdeckten nationalistische Kreise um den Turnvater Jahn das Hakenkreuz im 19. Jahrhundert neu und nutzten es als Symbol ihres "Bekenntnisses zum deutschen Volkstum"; Ende des 19. Jahrhunderts wurde es offiziell Zeichen des "Deutschen Turnerbunds". Als es später von Wandervogel und Freikorpsverbänden übernommen wurde, bekam das Hakenkreuz einen eindeutig völkischen, antisemitischen Charakter. Mit dem in diesem Sinn genutzten Symbol ist Hitler v. a. durch die Zeitschrift "Ostara" und den Gebrauch in den Insignien der Thulegesellschaft vertraut geworden. Auf der Suche nach einem Symbol "von großer plakatmäßiger Wirkung" entschied sich Hitler für das Hakenkreuz und konzipierte selbst die Hakenkreuzfahne: "Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und ... Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird."


    Auf der Salzburger Tagung vom 7. 8. 20 wurde die Hakenkreuzfahne zum offiziellen Banner der NSDAP, 1933 neben der schwarzweißroten Fahne zur Reichsflagge, am 15. 9. 35 zur alleinigen Nationalflagge (Reichsflaggengesetz) erklärt. Die Nationalsozialisten hatten das Hakenkreuzsymbol stilisiert und vereinheitlicht, alle Untergliederungen übernahmen es in ihre Insignien. Die Hakenkreuzfahne wurde zum wichtigen Propagandamittel: Bei Aufmärschen in der Kampfzeit war sie Ausdruck von Elitebewusstsein und Zusammenhalt, bei späteren Massenaufmärschen trugen Fahnenmeere durch eine "Überschwemmung der Sinne" zur Ausschaltung des Denkens bei. Insgesamt wurde das Hakenkreuz nach 1933 zum Objekt eines "religionsähnlichen Symbolkultes". Den Grad der kultischen Fahnenverehrung drückt am deutlichsten v. Schirachs HJ-Lied "Unsre Fahne flattert uns voran" aus: "... die Fahne ist mehr als der Tod".


    Nach 1945 wurde von den Alliierten der Gebrauch von Hakenkreuzen und anderen nationalsozialistischen Zeichen und Symbolen verboten. Faschistische Organisationen in aller Welt haben das Hakenkreuz in den 30er und 40er Jahren als Symbol übernommen. Noch heute benutzen es Antisemiten als internationales Erkennungszeichen.