Hanns Johst

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Schriftsteller

    geboren: 8. Juli 1890 Seerhausen (Sachsen) gestorben: 23. November 1978 Ruhpolding


    Medizinstudium, Krankenpfleger in Bethel. Johst begann im Ersten Weltkrieg Lyrik und Dramen zu schreiben, die zunächst inhaltlich und formal unter dem Einfluss des Expressionismus standen. Sein gegen bürgerliche Konventionen gerichtetes Stück "Der junge Mensch. Ein ekstatisches Szenarium" (1916) steigerte sich zu Ausbrüchen wie: "Es ist eine rasende Wollust: jung zu sein und um die Verzückung des Todes zu wissen". Johst klagte später in seinen Dichtungen die profitorientierte kapitalistische Industriegesellschaft und den proletarischen "Kollektivismus" gleichermaßen an, bekannte sich in Essaybänden ("Wissen und Gewissen", 1924) zur "völkischen Sendung der Dichtkunst" und zur nationalsozialistischen Weltanschauung. Sein bekanntestes und im Dritten Reich zu den meistgespielten Stücken gehörendes Drama "Schlageter" (1932) gestaltet das Schicksal des "Märtyrers" Schlageter und ist "Adolf Hitler in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue" gewidmet. 1933 ernannte Göring Johst zum ersten Dramaturgen und künstlerischen Leiter des Berliner Schauspielhauses. Er wurde dann Präsident der Akademie für Deutsche Dichtung, Präsident der Reichsschrifttumskammer, Preußischer Staatsrat, SS-Brigadeführer u. a. und erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u. a. Großer Preis der NSDAP für Kunst, Goethemedaille). Johst unterstützte bis Kriegsende den Nationalsozialismus weiter durch schriftstellerische Arbeit, sang z. B. das Hohelied der deutschen Neubauern bei der Wiederbesiedelung der "neugewonnenen Ostgebiete" in dem Buch "Ruf des Reiches, Echo des Volkes!" (1940). Nach Kriegsende wurde Johst von der Münchener Spruchkammer zunächst nur als "Mitläufer" eingestuft (1949) und erst im Berufungsverfahren als "Hauptschuldiger" zu Arbeitslager und zehnjährigem Publikationsverbot verurteilt.