Hanns Kerrl

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 11. Dezember 1887 Fallersleben gestorben: 15. Dezember 1941 Paris


    Justizbeamter; 1923 NSDAP-Beitritt, 1928-33 Mitglied, 1932 Präsident des preußischen Landtags. Obwohl die Weimarer Koalition im April 32 die Mehrheit in Preußen verlor, vermochte auch Kerrl keine Regierung zu bilden und regte daher Reichskanzler Papen zum Preußenschlag gegen die SPD-Minderheitsregierung an. Nach der Machtergreifung übernahm Kerrl die preußische Justiz, vom 21. 4. 33-17. 6. 34 als Minister, wurde danach Reichsminister ohne Geschäftsbereich und am 16. 7. 35 Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten. Als solcher war er für alle Religionsgemeinschaften zuständig, fand aber als Hauptaufgabe die Einigung der evangelischen Landeskirchen in einer Deutschen Evangelischen Kirche und die Überwindung des Widerstands der Bekennenden Kirche vor. Der Reichskirchenausschuss, den Kerrl dazu bildete, gab jedoch am 12. 2. 37 auf und auch andere administrative Maßnahmen schlugen fehl, so dass Kerrl bei Hitler an Einfluss verlor. Paradoxerweise brachten ihn seine Versuche, die evangelische Kirche in nationalsozialistischen Griff zu bekommen, in Gegensatz etwa zu Bormann und Himmler, die auf eine völlige Ausschaltung der Kirchen hinarbeiteten und christliche Infiltration argwöhnten. Nach Kerrls Tod wurde kein Nachfolger berufen.