Hans Frank

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker, Militär und Jurist

    geboren: 23. Mai 1900 in Karlsruhe gestorben: 16. Oktober 1946 in Nürnberg


    kam schon 1919 als Münchner Jura-Student mit der Deutschen Arbeiterpartei in Berührung, trat aber erst im Oktober 23 der NSDAP bei. Frank nahm am Hitlerputsch teil, wich nach Österreich aus und machte 1926 eine Anwaltskanzlei in München auf. Insgesamt 150 Prozesse führte er nach eigener Aussage allein gegen "Verleumder" Hitlers und verhalf dem Parteiführer im Reichswehrprozess 1930 zum spektakulären Legalitätseid. 1928 gründete Frank den späteren Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund, 1930 das Reichsrechtamt der NSDAP und 1933 die Akademie für Deutsches Recht. 1930 in den Reichstag gewählt, war er 1933/34 bayerischer Justizminister und wurde 1934 Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Frank mühte sich um "Erneuerungen des deutschen Rechts im Sinn der nationalsozialistischen Weltanschauung", erlangte aber, blind für Hitlers tiefe Verachtung aller Juristerei, nie Einfluss auf die Gesetzgebung im Führerstaat. Vergeblich auch protestierte er gegen die polizeistaatliche Aushöhlung des Rechts und gegen die verfahrenslosen Erschießungen beim Röhm-Putsch.


    Er riskierte damit sogar das Wohlwollen des fanatisch verehrten Führers, so dass seine Ernennung zum Generalgouverneur im von Deutschland besetzten Polen im Oktober 39 etwas von Wegloben hatte. Frank verstand sie aber eher als Verpflichtung zu "großzügigster Repräsentation im Namen des Führers und des Reiches". Zusammen mit seinem nationalsozialistischem Herrenmenschendünkel und seinem gnadenlosen Antisemitismus führte das zu einem unbeschreiblich brutalen Unterdrückungsprogramm. Frank, der verschwenderisch in der gotischen Krakauer Burg Hof hielt - "König Stanislaus" titulierte ihn der prunksüchtige Göring -, zeichnete verantwortlich für die Liquidierung der polnischen Führungsschicht, die totale Ausplünderung des Lands, die Deportation von rund einer Million polnischer Arbeiter in die deutschen Rüstungsfabriken. Selbst der SS, die in Franks Herrschaftsgebiet den Völkermord der Endlösung betrieb, ging das zu weit. Einer der engsten Mitarbeiter des "Polenschlächters" wurde zur Warnung verhaftet und erschossen. Frank zog daraus aber eine unerwartete Konsequenz: In frenetisch bejubelten Reden an deutschen Universitäten forderte er 1942 die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit. Hitler enthob ihn daraufhin aller Parteiämter, beließ ihn aber auf dem Posten des Generalgouverneurs. Vielleicht retteten Frank intime Kenntnisse: 1931 hatte ihm Hitler die Erforschung seines Stammbaums anvertraut.


    Gegen Kriegsende und dann im Nürnberger Prozess wandelte sich Frank zum reuigen Sünder und wurde Katholik. Das konnte das Todesurteil nicht abwenden; zu voll war sein Schuldbuch, das er 1939-45 akribisch geführt und unversehrt seinen Richtern übergeben hatte (38 Diensttagebücher). "Im Angesicht des Galgens" schrieb und betitelte er seine fragwürdige "Deutung Hitlers und seiner Zeit" kurz vor der Hinrichtung.