Hans Freyer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Philosoph und Soziologe

    geboren: 31. Juli 1887 Leipzig gestorben: 18. Januar 1969 Wiesbaden


    1922-25 Professor in Kiel, 1925-48 in Leipzig, 1953/54 in Münster, 1954/55 in Ankara. Mit seinem Hauptwerk "Revolution von rechts" (1931) gehörte Freyer zu den intellektuellen Wegbereitern des Nationalsozialismus, den er in dieser halbpoetischen Gegenwartsdeutung zwar nur indirekt anspricht, mit seinen Forderungen nach "Staatswerdung des Volkes" und Befreiung dieses Staats aus den Klauen der Interessengruppen (= Gewerkschaften) aber deutlich meint. Da der Klassenkampf im modernen Industriestaat dem Klassenkompromiss gewichen sei, finde ein "Subjektwechsel der Revolution" von der proletarischen zur völkischen statt. 1933 schlug Freyer mit der Schrift "Das politische Semester" eine Hochschulreform im nationalsozialistischen Sinn vor, verkannte aber die viel gröberen Erziehungspläne der neuen Regierung und fand trotz Betonung der "soldatischen Schulung" und des "Willens zum Reich", der alles "durchseelen" müsse, wenig Anklang. Nach dem Krieg kehrte Freyer zu liberalkonservativen Konzepten zurück (u. a. "Theorie des gegenwärtigen Zeitalters", 1955).