Hans Heinrich Lammers

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 27. Mai 1879 Lublinitz (Oberschlesien) gestorben: 4. Januar 1962 Düsseldorf


    Jurist, 1912 Landrichter in Beuthen, Kriegsfreiwilliger, 1922 Ministerialrat im Reichsinnenministerium. Als national-konservativer Beamter trat Lammers der DNVP bei und bekämpfte bei äußerlich korrekter Amtsführung die Republik politisch und publizistisch. 1932 wechselte er zur NSDAP und wurde bei Hitlers Machtergreifung am 30. 1. 33 als Staatssekretär Chef der Reichskanzlei, ein Amt, das er bis 1945 innehatte (ab 26. 11. 37 als Reichsminister ohne Geschäftsbereich). Zu seinen Aufgaben gehörten die formaljuristische Ausgestaltung der Gesetzesvorlagen, Personalangelegenheiten der Ministerialbürokratie, Koordination der Ministerien, Vortrag bei Hitler über die laufenden Regierungsgeschäfte u. a. Lammers hatte damit erheblichen Einfluss auf den juristischen Ausbau des Polizeistaats und auf die Entscheidungsabläufe in der Regierung, v. a. als "Notar des Reiches" (Speer), über den der Weg zu Hitler führte. Bald aber, v. a. ab Kriegsbeginn und mehr noch nach Ernennung Bormanns zum Leiter der Parteikanzlei (Mai 41), verlor Lammers diese Schlüsselrolle im übermächtigen militärischen Alltag. Kurz vor Kriegsende unterstützte er Görings Absicht, Hitlers Nachfolge anzutreten, wurde am 23. 4. 45 auf Bormanns Funkbefehl in Berchtesgaden verhaftet und entging der Erschießung nur durch Gefangennahme durch die Amerikaner. Im Wilhelmstraßenprozess wurde er am 11. 4 49 zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde 1951 auf zehn Jahre vermindert, am 16. 12. 54 im Gnadenweg für verbüßt erklärt und Lammers aus dem Gefängnis in Landsberg/Lech entlassen.