Hans Zehrer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Publizist

    geboren: 22. Juni 1899 Berlin gestorben: 23. August 1966 ebd.


    1929 übernahm Zehrer als Nachfolger des linksromantischen Dichters Kuckhoff die Herausgeberschaft der "Tat", die er bis 1933 zu einem "Zentrum der rechten Intelligenz" machte (Tatkreis). 1932 erhielt Zehrer die Chefredaktion der "Täglichen Rundschau" des Generals Schleicher und unterstützte diesen bei Versuchen, die NSDAP "aufzusprengen", machte aber die Nationalsozialisten in bürgerlichen Kreisen überhaupt erst salonfähig, indem er "Hitler überhitlert[e]" und "in eine moderne Bildungssprache übersetzt[e]" (Ossietzky). Zehrer begrüßte zwar 1933 den "neuen Staat", trat aber nicht wie andere Mitarbeiter des Tatkreises der SS bei, weshalb er in Parteikreisen als "unbotmäßiger Konservativer" ("Das Schwarze Korps") eingestuft wurde. Zehrer zog sich aus dem Journalismus zurück und wurde Leiter des Stalling-Verlags. 1943/44 nahm der Jungverleger Axel Springer Kontakt zu ihm auf und beauftragte ihn nach Kriegsende mit der Organisation der ersten Redaktion der Tageszeitung "Die Welt", deren konservative Linie Zehrer als Chefredakteur (1953-66) entscheidend prägte. Popularisiert verbreitete Zehrer seine restaurativen Thesen in der "Bild"-Zeitung als Glossen unter dem Titel "Hans im Bild" (1952-61).