Heimstätte

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Einfamilienhaus mit Grundstück, das eine Familie ohne fremde Hilfe bewirtschaften kann, ausgegeben von staatlichen Stellen. 1862 in den USA entstanden (Homestead Law), gewann die Heimstättenbewegung erst nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland an Boden, als es um die Versorgung von Veteranen und Kriegshinterbliebenen ging. Das Reichs-Heimstättengesetz vom 10. 5. 20 wurde im Dritten Reich mit Gesetz vom 25. 11. 37 auf "Opfer der nationalen Erhebung und Arbeit" sowie Wehrmachtveteranen und Kinderreiche ausgedehnt. Die zu günstigen Konditionen erwerbbare Heimstätte war vererbbar, nicht aber spekulativ verkäuflich, da der Staat Vorkaufsrecht behielt und gegen Zwangsvollstreckung aus persönlichen Forderungen schützte. Die Heimstätte konnte, gegebenenfalls sogar entschädigungslos, eingezogen werden, wenn der Inhaber das Reichsbürgerrecht verlor, wie Juden und jüdische Mischlinge durch die Nürnberger Gesetze, oder "grobe Misswirtschaft" trieb. Durch diesen großen Ermessensspielraum des Reichs-Heimstättenamts (dem Arbeitsministerium unterstellt) war die Heimstätte auch politisches Disziplinierungsmittel. In der Heimstätten-Propaganda wurde dagegen betont, die Heimstätte diene der Verbindung der "Hand- und Kopfarbeit mit dem Heimatboden", sie sei "Erbhof der werktätigen Volkskreise". 1936 waren ca. 130 000 Heimstätteninhaber im Deutschen Siedlerbund organisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Heimstätten für Vertriebene, Heimkehrer und Kriegssachgeschädigte ausgegeben.